“Geplant war Anschlag in Frankreich, nicht Brüssel“

Neue Anschläge in Frankreich, aber nicht in Brüssel, das war der Plan der Terrorzelle, die für die Pariser Anschläge im vergangenen November verantwortlich war. Das hat Mohamed Abrini, der festgenommene Hauptverdächtige der Pariser und Brüsseler Anschläge im Verhör gestanden. Nach der Verhaftung von Salah Abdeslam wurden diese Pläne geändert.

Nach monatelanger Fahndung konnte Mohamed Abrini, der gestand der „Mann mit Hut“ zu sein, am Freitag in der Brüsseler Stadtgemeinde Anderlecht verhaftet werden. Er soll einer der Organisatoren der Pariser Anschläge gewesen sein und er begleitete am 22. März die beiden Selbstmordattentäter am Brüsseler Flughafen zur Abflughalle. Den Anglerhut, mit dem er auf Bildern der Überwachungskameras zu sehen ist, habe er verkauft, die helle Jacke in einen Mülleimer geworfen, erklärte er den Ermittlern.

Wie der VRT-Nachrichtenredaktion bestätigt wurde, machte Abrini während seines Verhörs auch Aussagen zu den Plänen seiner Terrorzelle. Ursprünglich soll nach den Pariser Anschlägen vom 13. November ein neues Attentat in Frankreich geplant gewesen sein. Nachdem am 18. März in Brüssel aber Salah Abdeslam, einer der Hauptverdächtigen der Pariser Anschläge, gefasst worden war, fühlten sich die Terroristen in die Enge getrieben und änderten sie ihre Pläne. So entstand die Idee für die Anschläge am Brüsseler Flughafen und in der Brüsseler Metrostation Maalbeek.

Diese Erklärungen decken sich mit dem Testament, das auf dem Computer von Ibrahim El Bakraoui, einem der Brüsseler Selbstmordattentäter, entdeckt wurde. Darin steht, El Bakraoui fühle sich in die Enge getrieben, wisse nicht mehr ein noch aus und wolle sein Leben nicht in einer Zelle verbringen.

Gegen Abrini wurde nach seiner Teilnahme an den Pariser und Brüsseler Anschlägen Anklage erhoben wegen Teilnahme an den Aktivitäten einer terroristischen Gruppe, terroristischer Morde und versuchter terroristischer Mord.

Suche nach Rucksack

Unterdessen suchen die Ermittler den Rucksack des schwedischen Syrienkämpfers Osama Krayem, der auch am Freitag verhaftet wurde. Er wurde gefilmt als er kurz vor dem Brüsseler U-Bahn-Attentat in der Metrostation Pétillon ein kurzes Gespräch mit dem späteren Selbstmordattentäter Khalid El Bakraoui führte.

Beide Männer trugen einen Rucksack. Der von El Bakraoui war voller Sprengstoff, der kurz danach in der Metrostation Maalbeek explodierte.

Der Rucksack von Krayem wurde bis heute noch nicht entdeckt. Unklar ist, was sich in dem Rucksack befand. Gestern brachte ein großangelegter Polizeieinsatz in der Brüsseler Stadtgemeinde Etterbeek hierzu keine eindeutigen Ergebnisse. Der Rucksack wurde dabei nicht gefunden.