PIAS - Ein Plattenlabel im Art Deco-Denkmal

Seit knapp einem Jahr residiert die renommierte Plattenfirma PIAS (Play it again, Sam) in der ehemaligen Druckerei der Tageszeitung „Le Peuple“ im Brüsseler Stadtzentrum. Damit hat das Label Einzug in ein besonderes architektonisches Denkmal gehalten, denn das Gebäude in der Sint-Laurensstraat ist ein Art Deco-Bau aus dem Jahr 1905, das von den Architekten Maxim und Fernand Brunfaut Mitte bis Ende der 1930er Jahre mehrmals erweitert wurde.

Anfang des vergangenen Jahrhunderts gab die sozialistische Tageszeitung „Le Peuple“ dem Architekten Richard Pringiers den Auftrag, ein repräsentables Gebäude zu entwerfen. 1905 entstand mit den Räumlichkeiten für die Redaktion, die Verwaltung und die Druckerei eine Basis für ein Baudenkmal, dass in den Jahren danach mehrmals aus- und gebaut wurde.

Schnell wurde das erste Gebäude für „Le Peuple“ in der Sint- Laurensstraat zu klein und das Blatt gab den damals schon sehr angesehenen Architekten Maxime und Fernand Brunfaut gleich mehrmals den Auftrag, den Komplex zu erweitern. So entstanden in den Jahren 1931-1932 und 1936-1937 neue und prägende An- und Umbauten, die dem Bau ihr heutiges Aussehen verleihen. Nach dem Umbauten erstreckte sich der Komplex um die Ecke bis hin in die Zandstraat.

Im Jahr 1979 allerdings gab die sozialistische Zeitung „Le Peuple“ die Unabhängigkeit auf und verließ das Gebäude, dass danach für die Dauer von mehr als 20 Jahren in einen tiefen Schlaf fiel.

2001 jedoch kam neues Leben in das historisch bedeutende Art Deco-Gebäude, denn hier ließ sich zunächst die Vertretung des spanischen Fürstentums Asturien bei der Europäischen Union in einem Teil des Komplexes nieder und ein Investor wollte später im Rest des Gebäudes Wohnungen errichten. Daraus wurde aber nichts und Asturien zog nach einiger Zeit auch wieder aus. Doch einen langen Schlaf konnte sich der „Le Peuple“-Komplex nicht erlauben, denn am 1. Mai 2015 eröffnete das Plattenlabel PIAS ihre Brüsseler Vertretung in diesen Gemäuern.

Musik und mehr

Die internationale Plattenfirma PIAS, eine Abkürzung des legendären Satzes „Play it again, Sam“ aus dem 1942 entstandenen Streifen „Casablanca“ mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergman, hatte ihr Zuhause davor im Stadtteil Anderlecht und war damit weit ab vom „kulturellen Schuss“ in der belgischen Hauptstadt. Zudem wurden die dortigen Räumlichkeiten zu eng, denn das Label braucht für seine Vertriebsaufgaben auch Lagerraum. Auftrieb erhält PIAS zur Zeit auch durch den neuen Boom in Sachen Vinylscheibe, denn die „gute alte Schallplatte“, die schon so oft totgesagt wurde, erlebt einmal mehr einen neuen Trend.

Doch das „Le Peuple“-Gebäude der Sint-Laurensstraat, Ecke Sandstraat bietet so viel Platz, dass dort neben den Betriebsräumen auch ein Plattenladen, ein kleiner Konzertsaal, ein „Humphrey“ genanntes Bistrot und eine Fotogalerie eingerichtet werden konnten. Das bedeutet heute für PIAS ein offenes geschichtsträchtiges Haus und für die Musikwelt in Brüssel ein zentrumsnaher Hotspot. Der Shop, das Café und die Galerie sind für die Öffentlichkeit stets zugänglich und alleine schon aufgrund ihrer (Innen)Architektur einen Besuch wert.

Nicht zuletzt befindet sich das neue PIAS-Hauptquartier in einem kulturell durchaus interessanten Umfeld: In der Zandstraat haben das Belgische Comicmuseum und das Museum für den Comiczeichner Marc Sleen ihr Zuhause und beide Einrichtungen befinden sich ebenfalls in architektonischem Gemäuer. Das Comiczentrum hat seinen Sitz in einem Jugendstilbau von Victor Horta und Marc Sleen lebt im allerersten Teil des ursprünglichen „Le Peuple“-Komplexes weiter.

PIAS - Plattenlabel mit eindrucksvollem Portfolio

Die Plattenfirma PIAS, ursprünglich ein so genanntes „alternatives“ Label, hat heute eine ganze Reihe international renommierter Künstler unter Vertrag: Editors, Nick Cave, Depeche Mode, Moby, Muse, Agnes Obel, Pixies, Laurent Garnier, The Prodigy oder auch Tom Waits um nur einige zu nennen.

Speziell in Brüssel kümmert sich das Label aber auch um die PR und den Vertrieb wichtiger belgischer Bands und Musiker, wie z.B. Front 242, Soulwax/2ManyDJ’s, Daan, Ghinzu, Girls In Hawaï, dEUS, Melanie de Biaso oder auch die aufstrebende junge flämische Band Oscar & The Wolf (Foto).

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