Belgien will wieder eine Probezeit einführen

Die belgische Bundesregierung plant die Wiedereinführung der Probezeit bei Neueinstellungen. Dazu bittet sie die Sozialpartner um konkrete Vorschläge zur Umsetzung dieses Vorhabens. Die Probezeit wurde in Belgien erst 2014 im Zuge der Gleichstellung von Arbeitern und Angestellten abgeschafft.

Bis 2014 war es Arbeitgebern in Belgien möglich, neue Mitarbeiter innerhalb einer vereinbarten Probezeit von durchschnittlich sechs Monaten ohne Entschädigung wieder zu entlassen. Doch heute ist diese Maßnahme umstritten, denn sie steht langfristigen oder unbefristeten Arbeitsverträgen im Wege.

Nach Ansicht der Arbeitgeberverbände wählen die Unternehmer eher einen sicheren Weg und arbeiten vermehrt mit Zeitverträgen über Interim-Agenturen. Bundesarbeitsminister Kris Peeters (CD&V) will jetzt eine rasche Neubewertung dieses Themas, wie er gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion andeutete:

„Im Koalitionsabkommen wurde vereinbart, dass wir einige Absprachen, die die vorige Regierung mit den Sozialpartnern getroffen hat, neu bewerten. Die Probezeit ist eine davon. Ich habe den Sozialpartnern ein Schreiben zukommen lassen, um diese Beurteilung zu beschleunigen. (…) Für uns ist wichtig, dass wir Stellen schaffen und alles, was Jobs bringen kann, müssen wir uns zu Herzen nehmen. Ich warte jetzt auf die Empfehlungen der Sozialpartner, um zu schauen, wie wir dann weitermachen sollen.“

Arbeitgeber eher für eine Probezeit zu haben

Die Arbeitgeber sind für eine Wiedereinführung der Probezeit durchaus zu haben. Sie arbeiten derzeit nämlich eher mit zum Teil hochdotierten und teuren Zeitarbeitsverträgen, wie Karel Van Eetvelt (kl. Foto) vom Arbeitgeberverband Unizo meint:

"Die Unternehmer bitten darum, wieder via unbefristete Arbeitsverträgen mit Probezeit anwerben zu können. Ich stelle aber auch fest, dass heute viele Berufsanfänger jahrelang mit befristeten Verträgen arbeiten müssen, wodurch sie privat oft keine Kredite aufnehmen können."

"Das ist ein weiteres Problem. Wenn ein Problem auf beiden Seiten vorliegt, dann muss man eine gute und offene Diskussion führen, denn die Einführung einer neuen Probezeit könnte beiden eine Lösung bieten."

Nicolas Maeterlinck