VRT: Weitere Hinweise auf Opel-Dieselgate

Journalisten unseres Hauses, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk des belgischen Bundeslandes Flandern - VRT, haben erneut Indizien gefunden, die darauf hinweisen, dass der deutsche Autobauer Opel mit Schadstoff-Ausstoßwerten schummelt. Schon vor einigen Monaten wurden in unserem Hause Softwaremanipulationen an Zafira Tourer-Modellen bemerkt.
AP2013

Bei unseren ersten Recherchen Anfang 2016 schien es so, dass bei bestimmten Fahrzeugen vom Typ Opel Zafira Tourer mit 1,6 Liter Dieselmotor ein Stickstoffoxyd-Ausstoß gemessen wurde, der neunmal höher lag, als eigentlich zugelassen. Doch nach Werkstattbesuchen der Fahrzeuge bei belgischen Opel-Vertragshändlern sanken diese Werte auf spektakuläre Weise.

Unter der Hand vernahmen unsere TV-Journalisten, dass bei Opel nach Aufkommen der Dieselgate-Affäre bei der Volkswagen-Gruppe im September letztes Jahr ein verborgenes Update eingeläutet wurde, über das die Software bei den genannten Zafira-Modellen ersetzt werden sollte. Offiziell hieß es bei Opel nach den VRT-Recherchen im Januar, dass die von uns getesteten Autos wohl in schlechtem Zustand waren. Von möglichen Softwareproblemen war die Rede und auch von Mardern, die Sensorkabel durchgebissen haben… Das aber ließ unsere Journalisten eher aufhorchen und so kam es zu weiteren Nachforschungen.

In einem Testzentrum wurden mehrere exakt gleiche Autos ausgewähnt, von denen einige dann auch getestet wurden: Opel Zafira Tourer C, 1,6 CDTi, 100 kw. Drei Fahrzeuge wurden daraus ausgesucht, zwei in Belgien zugelassene Autos und eines aus den Niederlanden. Die belgischen Wagen waren im November 2014 zugelassen worden und das niederländische Auto im Juli 2014. Auch die bisher gefahrenen Kilometer waren in etwa gleich: Sie lagen zwischen 3.500 und 4.00 km.

Fahrzeuge aus zwei Ländern

Zuerst testeten die zur Rate gezogenen Fachleute den niederländischen Wagen, der vor den Tests zum Schadstoffausstoß auf Fehlermeldungen geprüft wurde - auch nach mehreren Testfahrten. Dashboard und Motor waren OK, es lagen keine Softwarefehler vor und Marderbisse in der Verkabelung wurden ebenfalls nicht festgestellt. Die gleichen Tests wurden übrigens auch anonym und mit versteckter Kamera beobachtet bei offiziellen Opel-Händlern in den Niederlanden durchgeführt.

Im Testzentrum ging es danach ums Ganze. Bei den Schadstofftests wurden Stickstoffoxyd- oder NOX-Ausstöße festgestellt, der wesentlich höher lag, als die Norm für dieses Modell festlegt: 652 Milligramm pro Kilometer. Das, um genau zu sein, ist das Achtfache des von der europäischen Norm zugelassenen Wertes von 80 mg pro km. Und das bei einem Fahrzeug, dass seit dem Ausbruch von Dieselgate noch nicht in der Werkstatt eines Opel-Händlers war!

Der zweite Wagen allerdings wies deutlich normentsprechende Ausstoßwerte auf. Doch dieser Zafira 1,6 CDTi war in einer Werkstatt und zwar nach Dieselgate Mitte September 2015 und zum Zweck eines Ölwechsels, wie der Fahrzeugbesitzer angibt! Ein Ölwechsel allerdings hat keinen Einfluss auf den NOX-Ausstoß eines Autos.

"Einfach zu viel!"

Bei den weiteren getesteten Autos wurden unterschiedliche Werte festgestellt: Ein nach Dieselgate nicht angepasstes Fahrzeug aus den Niederlanden stieß 873 mg NOX pro km aus und ein genau gleicher belgischer Zafira, der in der Werkstatt war, landete bei 203 mg pro km, also viermal weniger als der EU-Wert vorschreibt. Nach Aussagen der testenden Fachleute sind diese Unterschiede auffallend signifikant: "Ein Faktor vier ist einfach viel. Und wir können das nicht erklären, weder mechanisch, noch elektrisch." Ist Opel jetzt in Erklärungsnot? Für die Tester ja: "Für uns bleibt die große Frage, was diesen Unterschieden zugrunde liegt."