Wie unabhängig ist Belgiens Atomaufsicht?

Während der Leiter der belgischen Atomaufsichtsbehörde FANC, Jan Bens, weiter an der These festhält, dass die Haarrisse in den Reaktorummantelungen der umstrittenen Meiler Doel 3 und Tihange 2 auch Störfällen standhalten, wächst auch im Inland die Kritik an dieser Behörde. Jetzt wurde ein interner Audit bekannt, nach dem die FANC unter politischem und wirtschaftlichem Druck stehen soll.

In den beiden belgischen Tageszeitungen De Standaard und Le Soir wird die Frage aufgeworfen, ob die staatliche Bundesagentur für Nuklearkontrolle (FANC) wirklich unabhängig von wirtschaftlichen oder politischen Interessen arbeiten kann.

Nach Ansicht von Kristof Calvo, Fraktionsvorsitzender der belgischen Grünen (Groen und Ecolo - kl. Foto) im Bundesparlament, sagte dazu, dass man diesen Audit auf keinen Fall einfach zu den Akten legen solle. Das Dossier werfe eine wichtige Frage auf, nämlich die, ob die Leitung der FANC überhaupt unabhängig sei.

Der interne Audit führt zum Beispiel zutage, dass gleich mehrere Mitarbeiter der Atomaufsichtsbehörde feststellen müssen, dass FANC-Leiter Jan Bens unter besonders hohem Druck stehe. Man müsse sich die Frage stellen, so die Personalmitglieder, ob ihr Vorgesetzter eher von außen auferlegte Kompromisse nutze, als dass er sich auf die Expertise der eigenen Fachleute berufe.

Grünen-Fraktionschef Calvo fordert jetzt, dass FANC-Direktor Jan Bens ein weiteres Mal vor dem Parlament erscheinen soll, um dort Stellung zu den Inhalten dieses internen Audits zu nehmen. Calvo will aber auch, dass Bundesinnenminister Jan Jambon (N-VA) als Aufsichtsminister zu diesem Thema parlamentarisch befragt werden müsse.

Neben Deutschland fordert jetzt auch Luxemburg eine Abschaltung der Problem-Meiler Doel 3 und Tihange 2, zumindest solange, wie neue Sicherheitstests wirklich belegen können, dass die schadhaften Stahlummantelungen der Reaktoren Störfällen standhalten.

In diesem Zusammenhang wird auch die Art und Weise der Öffentlichkeitsarbeit bei der FANC angegriffen. Hier werde durch das stetige Festhalten an Sicherheitsparolen eher Angst geschürt, als genommen. Übrigens war FANC-Direktor Jan Bens (kl. Foto) in einem früheren Leben Mitarbeiter bei Kraftwerksbetreiber Electrabel und leitete zwischen 2004 und 2007 das Kernkraftwerk Doel bei Antwerpen.