Brüssel: Baudenkmäler abzugeben oder dicht

In Brüssel machen sich Denkmalschützer oft Sorgen über den Fortbestand des architektonischen Kulturerbes der belgischen Hauptstadt. Jetzt wurden gleich zwei Vorgänge bekannt, deren Ablauf noch unsicher ist. Die Bahn will den Wasserturm auf Tour & Taxis loswerden und in der Innenstadt schloss das traditionsreiche Art-Deco-Café Falstaff.

Der Wasserturm und dessen Nebentrakt (Foto oben) sind die letzten Gebäude am früheren Eisenbahn- und Postkomplex Tour & Taxis im Norden Brüssels, die sich noch im Besitz der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB befinden. Doch jetzt soll der Gebäudekomplex aus den Jahren 1902 und 1910 verkauft werden.

Der Turm und ein kleines Stromkraftwerk daneben sorgten bis 1957 für Strom und Wasser der angrenzenden Bahneinrichtungen und sogar für die damals hier noch eingesetzten Dampflokomotiven. Seit dem jedoch hat der Wasserturm keine Funktion mehr. Die Bahn will diese Gebäude, die einen hohen architektonischen Wert haben, in andere Hände geben. Ob sie verkauft oder einer kulturhistorischen Vereinigung übertragen werden, steht noch aus.

Das Falstaff hat geschlossen

Inzwischen hat die traditionsreiche Brasserie Falstaff in der Mausstraat hinter der Börse geschlossen. Warum in diesem traditionsreichen Art Deco-Café sogar die Fensterscheiben zugenagelt wurden, ist unklar. Nach Angaben des Brüsseler Gastronomieverbandes hat der Betreiber des Falstaff aufgegeben, weil im Zuge der Fußgängerzone kaum noch Gäste kamen. Ob das wirklich so ist, ist eine Frage, die noch keine Antwort findet.

Das Falstaff ist ein typisches Brüsseler Gebäude aus dem 19. Jhdt. und wurde von einem Schüler des Jugendstil-Architekten Victor Horta entworfen. Fassade, Giebel, Dach, Terrassendach und Inneneinrichtung stehen unter Denkmalschutz. 2014 ließ die Stadt aus diesem Grunde die Terrassenanbauten des Betreibers abbauen. Das Falstaff war seit 1999 bereits mehrmals geschlossen, fand jedoch jedes Mal wieder einen neuen Betreiber.