Nach 8 Monaten erst 3 Flüchtlingskinder bei Pflegeeltern untergebracht

Viele unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge, die nach Belgien kommen, finden nur schwer die spezifische Unterstützung, die sie brauchen, das heißt eine Gastfamilie, die ihnen Rückhalt und Zuwendung gibt. (Archivfoto)

Allein im letzten Jahr rechnete man damit, dass schätzungsweise 3.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge Asyl in Belgien beantragen würden.

8 Monate nachdem "Pleegzorg Vlaanderen", das Amt in Flandern, das sich um Gast- und Pflegefamilien bemüht, einen ersten Aufruf startete, konnten erst drei unbegleitete Flüchtlingskinder bei Pflegeeltern untergebracht werden - zwei afghanische Jungen von 9 und 13 Jahren und ein 16-jähriges Mädchen aus dem Irak. Das schreibt die Zeitung De Standaard.

Von den 1.800 Kandidaten hatten sich letztlich rund 273 potenzielle Pflegefamilien für das obligatorische Screening eingetragen. In den meisten Fällen dauert es 4 bis 6 Monate bis ein Kind in einer Familie untergebracht wird, aber das Projekt hinkt den ursprünglichen Zielen inzwischen weit hinterher. 

Els Van Achter von "Pleegzorg Vlaanderen" verteidigt das Projekt in der VRT mit den Worten: "Zunächst ist es so, dass wir mit einem Pilotprojekt begonnen haben. Wir haben uns ohne viel Vorbereitung  hineingestürzt, denn so eine Krise kann man ja nicht vorhersehen. Wir haben viel Personal eingesetzt, aber das Personal muss auch noch Erfahrungen sammeln können."

"Geeignete Familien für die Kinder zu finden, ging auch nicht so schnell. Häufig waren es Kinder, die älter als 12 Jahre alt waren. Diese Kinder dürfen mitreden. Wenn sie selbst nicht geneigt sind, in eine Pflegefamilie zu gehen, werden wir sie auch nicht dazu zwingen", so Van Achter weiter. "Vereinzelt geschah es auch, dass ein Kind sagte, ich bleibe lieber hier, wo ich gerade bin."

Pflegefamilien hatten sich also zahlreich gemeldet, doch "Pleegzorg Vlaandern" schaffte es offenbar nicht schneller mit den Screenings. Hinzu kommt, dass sich viele Kinder unterdessen schon in den Asylheimen wohl fühlten und ein Schulwechsel für sie auch nicht mehr in Frage kam. Die Realität habe das Amt eingeholt, heißt es dort noch.

Und bei der Auswahl qualitätsvoller Pflegefamilien will man auf keinen Fall Einschnitte machen. Dafür zeigen auch die wartenden potenziellen Pflegeeltern Verständnis. "Ich bin froh, dass sich Pleegzorg die nötige Zeit nimmt, um gründlich vorzugehen", wird noch eine Familie in De Standaard zitiert.

"Pleegzorg Vlaanderen" betont, dass dies folglich das einzig realistische Tempo sei.