Häftlinge machen Krawall und werden verlegt

Nach den Ausschreitungen in der Haftanstalt von Merksplas am gestrigen Samstagabend sind rund hundert Insassen in ein anderes Gefängnis verlegt worden. Die meisten unter ihnen können nicht in ihre Zelle zurück, weil sie zerstört ist. (Archivfoto)

Rund 170 Häftlinge hatten sich geweigert, nach dem Rundgang wieder in ihre Zellen zurückzugehen. Bei den Unruhen wurden Feuer angezündet, Löcher in die Wände geschlagen und Türen eingetreten.

"Wir bekommen keinen Urlaub, keinen Ausgang. Wir können unsere Papiere zur Resozialisierung nicht in Ordnung bringen. Wir gehen mit leeren Händen zum Strafvollzugsgericht. Das ist einfach eine Schande hier drinnen. Wir sitzen ohne Waschbecken, ohne Toilette in einem Zellenblock."

"Das ist einfach unmenschlich, sogar in Afrika sind sie weiter", riefen die Gefangenen aus den Fenstern der Haftanstalt in Merksplas. "Du wirst hier einfach schlecht behandelt! Heute ist die Bombe hochgegangen. Das sollen alle wissen."

Die Häftlinge fordern ein Mitspracherecht. Laut dem Bürgermeister von  Merksplas, Frank Wilrycx, spiele auch die veraltete Infrastruktur eine Rolle: "Merksplas ist ein sehr altes baufälliges Gefängnis, das schon seit dem 19. Jahrhundert dort steht und an dem dringend Renovierungsarbeiten durchgeführt werden müssen. Es ist zudem eine Haftanstalt, in der man keine modernen Techniken zur Bewachung der Gefangenen benutzen kann. Darin muss dringend investiert werden."

Der Aufstand in Merksplas stand nicht in Zusammenhang mit den seit 12 Tagen streikenden Wärtern in den wallonischen und Brüsseler Gefängnissen. In Merksplas streiken die Gefängniswärter nicht. Offenbar herrscht unter den Häftlingen schon seit längerem Unzufriedenheit mit der Politik der Direktion. Sie finden, dass ihnen die Direktion zu wenig zuhöre.

Inzwischen ist im Gefängnis von Merksplas wieder Ruhe eingekehrt. Einige Häftlinge wurden in andere Gefängnisse, zum Beispiel nach Antwerpen, Beveren, Hasselt und Wortel verlegt.