Belgien 4. Platz für Rechte von Trans- und Homosexuellen

Der rechtliche und gesellschaftliche Status von Transexuellen, Homosexuellen und Lesben in Belgien ist einer der besten in ganz Europa. Das hat eine vergleichende Studie der UGent ans Licht gebracht. Interessant: Hierzulande sind die Gesetze progressiver als die Einstellung in der Bevölkerung.

Die Universität von Gent hat die Lebensbedingungen der Homosexuellen, Lesben, Bisexuellen und Transsexuellen in Belgien und in 23 anderen Ländern untersucht und bewertet. Je höher die Bewertung, desto besser sind diese für gleichgeschlechtliche Paare oder Personen, die das Geschlecht gewechselt haben.

Die Untersuchung beruht auf drei Pfeilern: die aktuelle Gesetzgebung, die Politik der Behörden und die Einstellung der Bevölkerung zu diesen Gruppen.

Bessere Lebensumstände in Europa bieten nur Schweden (86 %), das Vereinigte Königreich (85 %) und die Niederlande (84 %). 

Für Transsexuelle insbesondere liegt Belgien sogar auf Platz 3.

Die ungünstigten gesetzlichen und gesellschaftlichen Lebensumstände herrschen auf Zypern (31 %), in Rumänien (31 %) und in Bulgarien (26 %), so das Untersuchungsergebnis.

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Belgien: Politik progressiver als öffentliche Meinung

"Seit der ersten Bundesregierung ohne Christdemokraten im Jahr 1999 hat sich die Situation der Trans- und Homosexuellen auf gesetzlicher Ebene mit großen Schritten verbessert", urteilt Professor Alexis Dewaele der UGent. Die Regierungen unterstützen diese Entwicklung auch mit finanziellen Mitteln.

Die gute Bewertung verdankt Belgien einer Koalition zwischen progressiven Behörden, weitgehenden wissenschaftlichen Untersuchungen und einem gut ausgebauten Lobby.

Die öffentliche Meinung scheint jedoch weniger geneigt, der Politik zu folgen: "Vermutlich spielt hier das Nord-Süd-Gefälle eine Rolle: Flandern besitzt eine starke Lobby, die sich an die progressive niederländische Politik anlehnt. Im französischsprachigen Landesteil sind die Schwulen-, Lesben- und Transgendervereinigungen weniger stark organisiert und die sozialwirtschaftlichen Lebensumstände, insbesondere in den Städten, weniger günstig.

 

AP2014

Wohlstand und Religion

Dewaele weist auch auf den sozialwirtschaftlichen Faktor, um die Unterschiede zwischen den Ländern in Nordwesteuropa und Südosteuropa zu erklären. 

Die Einstellung gegenüber Homo- und Transsexuellen ist eindeutig positiver in Ländern mit einem gewissen Wirtschaftswohlstand und negativer in armeren Ländern. 

Auch die Religion spielt eine Rolle: Wenn religiöse Institutionen noch großen Einfluss ausüben, ist die Einstellung gegenüber gleichgeschlechtlichen Paaren oder Transsexuellen eher negativ.