Terrorausschuss besprach das Thema Nahverkehr

Im parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Aufarbeitung der Anschläge vom 22. März lag der Schwerpunkt der Anhörungen am Mittwoch bei der Brüsseler Nahverkehrsgesellschaft MIVB/STIB, die nach dem Selbstmordanschlag auf einen U-Bahnzug in der Metrostation Maalbeek den Betrieb eingestellt hatte. Hier wurde die Frage aufgeworfen, wer wann für was zuständig war.

Im Kreuzfeuer standen der Präventionsbeauftragte der regionalen Brüsseler Nahverkehrsgesellschaft MIVB, Eric Buslot, und der Leiter der Bahnpolizei, Jo Decuyper. Die Frage lautete, ob man nicht unmittelbar nach Bekanntwerden der beiden Bombenexplosionen am Brüsseler Nationalflughafen von Zaventem sofort den Metrobetrieb hätte einstellen müssen. Offenbar wusste man in MIVB-Kreisen bereits um 8 Uhr 20 vom Terroranschlag auf den Flughafen.

Buslot konnte oder wollte nicht konkret darauf antworten, ob und wann die Information aus Zaventem das Dispatching der Nahverkehrsgesellschaft erreicht hatte. Der Beschluss, den Nahverkehr auf dem gesamten Brüsseler Netz einzustellen, erfolgte erst nach der Meldung des Anschlags von Maalbeek nach einem Anruf des Fahrers des betroffenen U-Bahnzugs. Im Zuge des unmittelbar anschließenden Notfallplans hatte MIVB-CEO Brieuc de Meeûs den Befehl gegeben, den Gesamtverkehr einzustellen.

Wer war wann unterrichtet?

Nach Angaben des Leiters der Bahnpolizei war man bei der Nahverkehrsgesellschaft von dem Anschlag unterrichtet. Decuyper gab an, ihn habe eine entsprechende Email um 9 Uhr 07 erreicht, vier Minuten vor dem Anschlag von Maalbeek. Doch er habe diese Mail zu spät gesehen, da sie nur an ihn persönlich gesendet worden war. Die Aussagen der beiden Befragten werfen neue Fragen in dieser Hinsicht auf. Bisher wurde gesagt, dass die belgische Bundesregierung um 8 Uhr 50 beschlossen hatte, den Nahverkehr zu stoppen, also rund 20 Minuten vor der Explosion in Maalbeek. Dies sei der MIVB/STIB im 9 Uhr 04 mitgeteilt worden.

Und Brüssels regionaler Ministerpräsident Rudi Vervoort (PS) gab an, er sei kurz vor 9 Uhr vom Brüsseler Vertreter im nationalen Krisenzentrum davon unterrichtet worden, dass die Metro evakuiert werden sollte. Doch es sei zu keiner Zeit zu Kontakten zwischen der Regionalregierung und der regionalen Nahverkehrsgesellschaft gekommen.

Alle Fragen offen

Damit bleibt auch weiterhin die Frage unbeantwortet, ob man den Aktionsradius nach den beiden Selbstmordanschlägen von Zaventem nicht besser sofort auf ganz Brüssel hätte ausweiten müssen. Ob damit der Anschlag auf die U-Bahn in Maalbeek hätte verhindert werden können, sei dahingestellt. Mutmaßlich war der Attentäter zu diesem Zeitpunkt bereits in der betroffenen Bahn.