Aviapartner: Streik in Zaventem beendet

Seit Donnerstagfrüh arbeiten die Mitarbeiter des Gepächabfertigers Aviapartner am Brüsseler Nationalflughafen wieder. Sie hatten am Mittwochnachmittag wegen des hohen Arbeitsdrucks und ausbleibender Prämienzahlungen spontan die Arbeit niedergelegt. Am späten Mittwochabend führten Gespräche mit der Direktion des Unternehmens zu einer Lösung, doch über 30 Flüge mussten gestrichen werden. Und das Thema Streikreicht steht wieder obenan auf den Tagesordnungen…

Die Folgen der Arbeitsniederlegung bei Aviapartner am Mittwochnachmittag waren sofort zu spüren. Viele Flugzeuge warteten auf eine Startmöglichkeit, doch ohne das Gepäck der Passagiere war das kaum möglich.

Rund 30 Flüge mussten abgesagt werden und andere hoben erst mit Stunden Verspätung ab. Nicht zuletzt mussten tausende Reisende, die in Zaventem angekommen waren, erstmal ohne ihre Koffer nachhause fahren.

Damit musste der Brussels Airport in der Folge der Anschläge einen weiteren Rückschlag verkraften. Vor einigen Wochen, kurz nach dem 22. März, legten die Fluglotsen die Arbeit nieder und jetzt folgten unangekündigt die Mitarbeiter von Aviapartner, dem zweitgrößten Gepäckabfertiger am Standort Zaventem.

Für das Image des Flughafens war dieser Streik wohn erneut schädlich. Auch wenn viele Beobachter und Beteiligte der Ansicht sind, dass man für die Lage der unterbezahlten und personell unterbesetzten Belegschaft von Aviapartner durchaus Verständnis habe, sei der Zeitpunkt für diesen Sozialkonflikt doch denkbar ungünstig.

Streik, Streikrecht und die Folgen

Zudem heizte dieser Vorgang einmal mehr die Diskussionen über das Streikrecht in Belgien an. Seit Wochen zum Beispiel streiken die Gefängniswärter in den Haftanstalten des Bundeslandes Wallonien und in der Region Brüssel-Hauptstadt. Sie lehnen jede Reform ihres Arbeitsumfeldes und ihres Statuts kategorisch ab und mittlerweile bewachen bereits Soldaten die Gefängnisse. Diese Soldaten fehlen aber bei den Bewachungsaufträgen durch die Terrorwarnstufe im Land und mittlerweile stehen Auslandseinsätze der belgischen Armee zur Disposition, weil schlicht und einfach die Leute dazu fehlen… Politik und Gesellschaft stellen sich Fragen zum derzeit geltenden Streikrecht und immer öfter steht die Forderung nach einer garantierten Dienstleistung bei Arbeitsniederlegungen. Zudem sind viele Beteiligte der Ansicht, dass Streiks bei Sozialkonflikten nicht gleich die erste Maßnahme sein sollten, denn so würden sie als Druckmittel ihre Glaubwürdigkeit verlieren.

Ursachen bei Aviapartner

Die Mitarbeiter von Aviapartner protestieren gegen die ihrer Ansicht nach schlechten Arbeitsbedingungen nach den Anschlägen auf den Brussels Airport. Der Arbeitsdruck habe sich durch die Tatsache, dass die Passagiere gleich an zwei Stellen einchecken - in einem provisorisch eingerichteten Zelt und in der fast wieder vollständig nutzbaren Abflughalle - deutlich verstärkt. Das Personal von Aviapartner habe sich ebenso, wie alle anderen Unternehmen, nach dem 22. März als äußerst flexibel gezeigt. Doch jetzt müsse man feststellen, dass das Unternehmen seinen Mitarbeitern gegenüber keinen Respekt mehr zeige.

Dass es bei Aviapartner wegen des überarbeiteten Personals und wegen Personalmangel rumort, ist nicht erst seit den Terroranschlägen bekannt, doch das Fass zum Überlaufen brachten wohl Unregelmäßigkeiten bei der Bezahlung von bestimmten Vergütungen. Offenbar wiesen die Lohnbriefe der Mitarbeiter fast alle Fehler auf. So stimmte die Zahl der Arbeitstage und die der effektiv geleisteten Stunden nicht überein und Prämien werden nur langsam, falschberechnet oder gar nicht ausbezahlt. Alle Fehler seien stets zum Nachteil der Beschäftigten, hieß es dazu.