Aus dem Tagebuch eines Häftlings in Brüssel

Der Gefängniswärterstreik in wallonischen und Brüsseler Gefängnissen dauert nun schon seit knapp drei Wochen an. Und der Zustand in den Gefängnissen verschlechtert sich von Tag zu Tag. Ein Häftling aus der Haftanstalt im Brüsseler Viertel Vorst hat Tagebuch geführt. Lesen Sie hier einige Fragmente aus seinen Aufzeichnungen.

3. Mai

Seit 6 Tagen haben wir keinen Ausgang mehr gehabt und das, obwohl wir mit drei Leuten in der Zelle sitzen, wobei eine Person auf einer Matratze auf dem Boden schläft. Jede Nacht haben wir Mäuse zu Besuch, weil unser Abfall schon seit einer Woche nicht mehr abgeholt wird.

5. Mai

Entlang der Außenseite unseres Fensters wurde versucht, ein Feuer anzuzünden. Wir mussten die Fenster schließen, um dem Geruch und dem Rauch zu entkommen. Die Situation wird immer angespannter. Ich fürchte stets mehr, dass etwas Schlimmes passiert.

15:10 Uhr: Wir sehen Rettungsleute rennen. Jemand hat sich in der Zelle erhängt. Wir hören Menschen, die in Panik sind.

6. Mai

Es ist schon 14 Uhr und noch immer gibt's kein Essen. Es ist zu Zwischenfällen gekommen. Schon seit 10 Tagen keine frische Luft draußen gesehen. Allerdings habe ich positive Nachrichten. Ich habe 5 Minuten lang telefonieren dürfen....Der Direktor hat jeden persönlich begrüßt und beruhigt, was ich sehr schätze.

7. Mai

Ich schaue durch das Fenster und was ich sehe, ist ein Müllberg. Dort liegt alles herum: Decken, Jacken, Töpfe, Joghurt, zu viel, um alles aufzuzählen. Ich sehe Ratten, die sich von allem Möglichen ernähren. Es ist eine Schande.

8. Mai

Die Temperatur in der Zelle steigt wieder. Die Pollen fliegen herein und auch die vielen kleinen Fliegen sind wieder da...Es ist stickig hier...Noch immer die gleichen Betttücher und Kleider.