Schlägerei: Toter in der Haftanstalt von Lantin

Im Gefängnis von Lantin bei Lüttich (Foto) ist am Dienstagabend ein Gefangener von einem Mithäftling mit einer Stichwaffe aus Plastik erstochen worden. Der Vorfall ereignete sich nur kurz nach dem Aufruf der dortigen Direktion, dass die Lage dort durch den Streik der Gefängniswärter zu „lebensgefährlichen Situationen“ führe.
Nicolas Lambert

Der Vorfall ereignete sich am Dienstagabend in der psychiatrischen Abteilung der Haftanstalt von Lantin. Zwei Zellengenossen waren aneinandergeraten und es kam zu einem heftigen Handgemenge mit Schlägen, Tritten und Stichen, nach dem einer von beiden Häftlingen tot auf seinem Bett lag. Der Mann wurde mit einer Stichwaffe aus Plastik erstochen, wie ein Gerichtsmediziner feststellte. Noch danach habe sein Gegner mit einem Stuhl auf ihn eingedroschen, hieß es weiter dazu.

In der psychiatrischen Abteilung von Lantin werden Straftäter interniert, die geistig gestört sind. Inzwischen nahmen ein Ermittlungsrichter und die Staatsanwaltschaft von Lüttich ihre Arbeit auf.

Die Gefängniswärter streiken in Wallonien und in Brüssel seit exakt drei Wochen. Noch am vergangenen Wochenende sagte der Gefängnisdirektor von Lantin, Marc Brisy, gegenüber der frankophonen Tageszeitung La Meuse, dass die Lebensumstände der Häftlinge durch diesen Streik der Schließer zu „lebensgefährlichen Situationen“ führen könne. Seit einigen Tagen kursieren im Internet auch Fotos aus Lantin, die den erbärmlichen Zustand einiger Bereiche der Haftanstalt zeigen.

Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass die psychiatrische Abteilung von Lantin nicht unter dem Streik leidet. Beide jetzt in Streit geratene Internierte hatten in dieser Woche bereits Besuch von ihren Psychiatern. Sie waren deutlich nicht Opfer von Verwahrlosung innerhalb von Gefängnismauern durch einen Sozialkonflikt. Inzwischen geht der Streik der Gefängniswärter in die vierte Woche.

Häftlinge erstreiten Zwangsgeld

25 Insassen der Haftanstalt von Jamioulx in der wallonischen Provinz Hennegau haben per einstweiliger Verfügung ein Zwangsgeld von 250 € pro Tag erstritten, so lange, wie ihre Haftbedingungen unter den Streiks der Gefängniswärter leiden.

Ein Richter aus Charleroi hatte die Haftanstalt besucht und festgestellt, dass die erstinstanzlich klagenden Betroffenen recht haben und fällte entsprechend sein Urteil.

Bei den verschlechterten Haftbedingungen handelt es sich in erster Linie um das Ausbleiben von Besuch, auf das Häftlinge zweimal pro Woche Recht haben und um das Ausbleiben von Pausenzeiten auf dem Gefängnishof.