Spontaner Streik legt den Bahnverkehr lahm

Ein am Mittwochnachmittag unangekündigt ausgebrochener Streik einiger Eisenbahner in Wallonien wurde am Donnerstag in größerem Ausmaß fortgesetzt. Während in Wallonien quasi kein Zug fährt, halten sich die Probleme in Flandern in Grenzen. Brüssel ist durch den Streik aber deutlich betroffen. Viele Berufspendler erreichten ihren Arbeitsplatz nicht, auch weil sie nicht mit einem solchen Streik gerechnet hatten.

In Wallonien fährt durch unbesetzte Stellwerke und örtlich auf den Gleisen verharrenden Streikposten so gut wie kein Zug. Nach Angaben der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB rollen in Flandern etwa 80 % der Züge. Brüssel ist insofern betroffen, als dass Züge aus Richtung Süden des Landes ausfallen und demnach Brüssel nicht anfahren.

Das betrifft viele Berufspendler, von denen nicht wenige von dem Streik überrascht wurden. Bahnreisende müssen den ganzen Tag mit erheblichen Behinderungen rechnen.

Der belgische Fahrgastverband ZugTramBus (TTB) reagierte erbost auf diesen spontanen Streik, denn hier waren Abmachungen mit den Eisenbahnergewerkschaften getroffen worden, nach denen auf spontane Arbeitsniederlegungen verzichtet werden sollte.

Der Streik entstand im Zuge von Gesprächen der Gewerkschaften mit HR-Rail, der Personalsparte der Bahnholding NMBS/SNCB, über die Streichung von einem bis zwei von insgesamt 13 Kredit- oder Kompensationstagen, weil die Eisenbahner faktisch wöchentlich mit 40 Stunden etwas länger arbeiten, als die festgelegten 36 Stunden.

Hier fand sich keine Lösung, was die frankophonen Gewerkschaftssparten zum Streik greifen ließ. In Flandern wurde den Eisenbahner freigestellt, zu streiken oder auch nicht. Wer sich aber anschließen wolle, hieß es da, der könne das tun.

Weitere Kritik

Belgiens Verkehrsminister François Bellot (MR) bedauerte diesen landesweiten Bahnstreik und gab an, ihn nicht zu verstehen. Bellot, der erst seit rund einem Monat nach dem Rücktritt seiner Vorgängerin Jacqueline Gallant (MR) im Amt ist, sagte dazu gegenüber den Medien, dass hier wieder Menschen „zu Geiseln werden.“

Der Verkehrsminister appellierte an die Verantwortung der Eisenbahner und bat darum, die Aktion abzubrechen. Er könne nicht verstehen, dass ein Streik ausbreche, während „die Tinte des Sozialabkommens noch nicht trocken ist.“ Zudem betreffe dieser Streik nur einen Artikel dieses Abkommens.

Besonders laute Kritik kam von den Studentenverbänden. Sie halten den Streik, der während der studentischen Klausuren stattfindet, für „nicht zu verzeihen“. Vor einiger Zeit hatten sich die frankophonen Studentenvereinigungen mit den wallonischen Eisenbahnergewerkschaften darauf geeinigt, während der Examen nicht zu streiken…