Die Streiks in Belgien sind noch nicht zu Ende

Die Streiks der Gefängniswärter und der Eisenbahner sind auch nach dem nationalen Protesttag am Dienstag noch nicht zu Ende. Der Bahnstreik kann noch bis mindestens Freitag dauern, auch wenn er nicht gänzlich mit der Rückendeckung aller Gewerkschaften weitergeführt wird. Der Großteil der Arbeitsniederlegungen konzentriert sich auf Wallonien, wo sich jetzt auch Busfahrer der Sache anschlossen.

Die Arbeitsniederlegung in den Gefängnissen und bei der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB dauern weiter an und der Schwerpunkt liegt weiter in Wallonien, dem frankophonen Landesteil Belgiens. Hier hat die sozialistische Gewerkschaft CGSP jetzt auch die Beschäftigten der regionalen Nahverkehrsgesellschaft TEC zum Streik aufgerufen und einige Busfahrer gingen darauf ein. Allerdings meldete der frankophone Rundfunk RTBF am Mittwochmorgen, dass sich viele TEC-Busfahrer dem Streikaufruf wiedersetzten. Sie wurden jedoch am Morgen von Streikposten daran gehindert, ihren Dienst anzutreten.

Der Streik bei der Bahn dauert jetzt schon eine Woche und wird in Wallonien weitgehend befolgt. Offiziellen Angaben zufolge fuhren dort etwa 15 bis 20 % der Züge, während in Flandern die meisten Züge, 60 bis 80 %, unterwegs waren. Bahnchef Jo Cornu (kl. Foto)rief indessen die Gewerkschaften zur Besonnenheit auf und appelliert an die Rücksichtnahme auf die Pendler und Reisenden und die Wirtschaft.

Cornu deutete an, dass dieser Streik jeden Bürger in Belgien treffe, denn pro Haushalt würden alleine rund 1.000 € an die belgische Staatsbahn abgeführt. Dadurch sollte man eine entsprechende Dienstleistung bieten, so der Bahnchef in Richtung der Streikenden. Inzwischen wird auch wieder in politischen Kreisen über eine garantierte Mindest-Dienstleistung bei der Bahn in Streikzeiten diskutiert. Laut Bahnchef Cornu führe kein Weg an Reformen bei der Bahn, an einer Steigerung der Produktivität und an der Streichung von Kredit- und/oder Feiertagen vorbei. Die „wilden Streiks“ lehnt Cornu übrigens deutlich ab und nennt sie „unannehmbar“.

"Mehr Freiheit..."

Gegenüber der belgischen Bundespolitik deutete der Bahnchef übrigens an, er fordere mehr Freiheit bei der Organisation der Bahn. Dies müsse nicht notwendigerweise „privatwirtschaftlich“ sein, doch das Beispiel Bpost und Telekomanbieter Proximus zeige, dass auch Staatsbetriebe mit Erfolg arbeiten können, wenn man freier sei: "Mehr Freiheit für das Management ist essentiell für die Zukunft der Bahn."

Die frankophone sozialistische Gewerkschaft CGSP ficht dies alles offenbar nicht an. Hier will man weiterstreiken, „bis zum Finish!“ Führende CGSP-Gewerkschaftler deuteten sogar in den Medien an, man mache solange weiter, bis die Mitte-Rechts-Regierung von Premier Michel falle…