Wieder heftige Unwetter über Flandern

Im Raum Antwerpen, besonders im Kempenland, und in den Provinzen Limburg und Wallonisch-Brabant haben heftige Regenschauern erneut für Überschwemmungen und überflutete Keller, Wohnungen und Straßen gesorgt. Feuerwehren und Hilfsdienste erhielten mehrere hundert Notrufe.

Die Unwetter schlugen am Mittwochabend vor allem im Norden der Provinz Limburg zu. Betroffen waren in erster Linie die Ortschaften Ham, Lommel (Foto), Neerpelt, Hamont-Achel, Hoeselt, Heusden-Zolder, Houthalen-Helchteren, Herk-de-Stad, Alken, Wellen und Bilzen. Hier standen bereits gegen 20 Uhr am Abend mehrere Straßen und Keller unter Wasser, weil die Kanalisation die Regenmassen nach den heftigen Stürmen nicht mehr auffangen konnten.

Bei den Feuerwehr- und Notrufzentralen von Hasselt und Bree gingen hunderte Notrufe ein.

Vielerorts sind inzwischen die Auffangbecken vollgelaufen und bei Bächen und Flüssen stiegen die Pegelstände. Der Zivilschutz verteilt Sandsäcke, die in den Feuerwehrkasernen kostenlos verteilt werden. Die Behörden rufen die Betroffenen dazu auf, die entstandenen Schäden zu fotografieren und zu dokumentieren, um so den Versicherungen vollständige Dossiers übergeben zu können. Es besteht die Möglichkeit, diese Überschwemmungen als Katastrophe anzuerkennen. Dann könnte ein staatlicher Entschädigungsfonds greifen.

Auch im Antwerpener Umland kam es am Mittwochabend zu ähnlich heftigen Regengüssen, nach denen Dutzende Notrufe eingingen. Hier war vor allem die Region Turnhout im Norden Antwerpens betroffen.

Die Notrufe kamen hauptsächlich aus Ravels, Merksplas, Beerse, Rijkevorsel, Arendonk, Baarle-Hertog, Tournhout selbst, Merksplas, Retie und Malle. Hier kam es auch zu Blitzeinschlägen. In Zondereigen wurde der Ortskern wegen Überflutung kurzzeitig gesperrt. In der Region mussten zeitweise auch überspülte Landstraßengesperrt werden.

„Betonstop“

Inzwischen warnen Wissenschaftler und Universitäten vor einer weiteren Bebauung von neuralgischen Gebieten im belgischen Bundesland Flandern. Flanderns Landesumweltministerin Joke Schauvliege (CD&V, Foto) hatte einen solchen „Betonstop“ bereits angekündigt - allerdings erst für 2050.

Dies ist der Wissenschaft allerdings deutlich zu spät. Gert Verstraeten, Geologe an der Universität Löwen (KULeuven), ist der Ansicht, dass es einen unmittelbaren Zusammenhang mit den Überflutungen nach Unwettern und der weiteren Verhärtung, bzw. Bebauung von großen Flächen gibt.

„Je mehr die Oberfläche verhärtet wird, je weniger kann das Wasser abfließen und sammelt sich so in großen Mengen. Diese Verhärtung trifft besonders kleinere Regionen, in denen kurzfristig und massiv Unwetter Regenmassen verursachen. Das bringt dann ein Überschwemmungsrisiko“, so der Geologe am Donnerstag gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion. Würde man Flandern in den kommenden Jahrzehnten weiter vollbauen, müsse man von noch mehr derartigen Vorfällen ausgehen, so Verstraeten.