Bahnunfall durch fehlendes Notbremssystem?

Zum Bahnunfall von Sonntagabend in Saint-Georges-sur-Meuse bei Lüttich, bei dem drei Menschen ums Leben kamen, wurden jetzt neue Erkenntnisse bekannt. Offenbar war die Unfallstelle nicht mit dem belgischen Zugsicherungs- und Notbremssystem TBL1+ ausgerüstet. Mit diesem System wäre der Unfall zu vermeiden gewesen, so entsprechende Medienberichte.

Eigentlich ist das belgische Schienennetz seit dem verheerenden Zugunglück von Buizingen (Flämisch-Brabant) am 15. Februar 2010 fast überall mit dem Sicherheits- und Notbremssystem TBL1+ ausgerüstet, das einen Zug beim Überfahren eines roten Haltesignals automatisch zum Stoppen bringt.

Doch an genau der Stelle, an der am Sonntagabend ein Reisezug mit 90 km/h auf einen stehenden Güterzug aufgefahren war, soll das nicht der Fall sein. Zwischen dem letzten offenbar nicht mit TBL1+ ausgerüsteten Signal und dem Unfallort liegen 800 m. Dies hätte gereicht, um den Reisezug per Zwangsbremsung bis dahin zum Halten zu bringen.

Dies kam offenbar bei einer Versammlung zwischen der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB und dem holdingeigenen Infrastrukturbetreiber Infrabel zutage, über die die flämische Tageszeitung De Standaard am Mittwoch berichtete. Dies wurde unserer Nachrichtenredaktion gegenüber im Laufe des Tages auch von Bahnseite her bestätigt. Diese Erkenntnis als solche aber, wollte Infrabel nicht bestätigen.

Bei Infrabel heißt es allerdings dazu, dass bisher etwa 7.500 der insgesamt 10.700 Signale auf dem belgischen Schienennetz mit TBL1+ ausgerüstet sind.

Inzwischen laufen die Ermittlungen zur effektiven Unfallursache auf Hochtouren. Am Dienstag wurde die so genannte „Black Box“ des Zuges aus den Trümmern geborgen. Dieses Gerät zur Aufzeichnung der technischen Fahrtabgaben von Triebfahrzeugen der belgischen Eisenbahngesellschaft wird derzeit ausgewertet. Bei dem Unfall kamen am Sonntag drei Personen ums Leben und 10 weitere Fahrgäste wurden zum Teil schwer verletzt.

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