Flandern führt 2017 eine Buchpreisbindung ein

Der Buchhandel und die Supermärkte im belgischen Bundesland Flandern dürfen ab Anfang 2017 nicht mehr mit hohen Rabatten auf Bücher aufwarten. Die flämische Landesregierung stimmte jetzt einem Gesetzesentwurf zur Buchpreisregelung zu. Neuerscheinungen dürfen demnach danach nur noch nach einem gewissen Zeitraum mit deutlichen Preisnachlässen angeboten werden.

Ab 2017 dürfen Neuerscheinungen in Flandern erst nach sechs Monaten mit Rabatten von mehr als 10 % auf ihren eigentlichen Verkaufspreis angeboten werden. Erst danach wird der Preis ganz freigegeben und die jeweiligen Bücher können auch mit größeren Nachlässen angeboten werden.

Diese Regelung betrifft auch den Online-Handel mit Büchern. Wenn z.B. bol.com in den Niederlanden ein neues in Flandern erschienenes Buch anbieten will, muss es sich an diese Buchpreisbindung halten. Bei Verstößen wird zunächst der Verlag des jeweiligen Buches angesprochen. Eine Ausnahme wird nur Schulen und Bibliotheken gewährt. Flanderns Landeskulturminister Sven Gatz (Open VLD) will hier Preissenkungen bis 25 % bei Erscheinen von neuen Büchern zulassen.

Betroffen von dieser Regelung sind in erster Linie die hiesigen Warenhausketten, die nach Erscheinen von Bestsellern gerne mit riesigen Nachlässen locken. Wenn also der flämische Krimiautor Pieter Aspe oder der TV-Koch Jeroen Meus ein neues Buch auf den Markt bringen, schlagen die Supermärkte gerne mit Sonderangeboten zu, sehr zum Nachteil des hiesigen Buchhandels.

Diese Buchpreisbindung soll den Buchhändlern in Flandern die Möglichkeit bieten, mehr Bücher zu regulären Preisen anbieten zu können. Mit den dadurch erzielten Gewinnen soll nebenbei das Angebot an weniger kommerziellen Werken ausgeweitet werden. Doch auch hier ist nicht jeder von der Maßnahme überzeugt, wie die flämische Tageszeitung De Morgen dazu schreibt.

Wenn Bestseller sechs Monate lang hochpreisig bleiben, befürchtet der Handel, dass sie nicht mehr so oft angesetzt werden, wie bisher. Einige Händler und Verlage befürchten auch, dass damit der so genannte "Impulskauf" von Büchern ausbleibt, wenn z.B. Verbraucher im Vorbeigehen den „neuen Aspe“ für wenig Geld mal eben in den Einkaufswagen werfen…