Reaktor Tihange 2 schaltete sich selbst ab

Der Kernreaktor 2 im Atomkraftwerk von Tihange in der Provinz Lüttich (Archivfoto) hat sich am Freitagnachmittag selbst abgeschaltet. Die Automatik des Sicherheitssystems hatte den Reaktor nach einer Störung im nicht-nuklearen Teil der Anlage heruntergefahren. Nach der Ursache wird noch gesucht, doch der Vorfall zeige, so ein Sprecher des Atomkraftwerks, dass die Sicherheitsvorkehrungen funktionieren.

Nach Angaben von Kraftwerksbetreiber Engie Electrabel gehört das automatische Abschaltsystem bei den Reaktoren zu einem Sicherheitssystem, dass reagiert, wenn Unregelmäßigkeiten konstatiert werden. Dann fährt das System den jeweiligen Reaktor herunter.

Der Vorfall von Freitagnachmittag habe sich im Maschinenraum im nicht-nuklearen Teil der Anlage ereignet, wie Serge Dauby, der Sprecher des Kernkraftwerks Tihange andeutete: „Wir führen derzeit eine Untersuchung nach der Ursache für das Herunterfahren. Der Vorgang zeigt, dass das Sicherheitssystem funktioniert.“

Woran diese Notabschaltung also liegt, ist noch nicht bekannt. Die Suche kann einige Tage andauern, weil die möglichen Ursachen eine nach der anderen analysiert und ausgeschlossen werden, bis der eigentliche Störfaktor ermittelt ist. Das bedeutet, dass rund 320.000 Komponenten überprüft werden müssen.

Am Samstagnachmittag gab Engie Electrabel bekannt, dass der Reaktor vielleicht schon in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wieder hochgefahren werden könnte.

Tihange 2 ist neben Doel 3 (derzeit ebenfalls wieder abgeschaltet) einer der beiden umstrittenen Reaktoren, deren stählerne Ummantelungen tausende Haarrisse aufweisen. Doch nach Ansicht der belgischen Atomaufsichtsbehörde FANC sind diese Haarrisse nicht derart gefährlich, dass die Anlagen abgeschaltet werden müssen.

Politischer Protest in den Nachbarländern

Die beiden umstrittenen Anlagen Tihange 2 bei Lüttich und Doel 3 bei Antwerpen liegen in den belgischen Nachbarländern Deutschland, Luxemburg und Niederlande schwer unter Beschuss. Überall regt sich Protest und Behörden, Kommunalverbände und Regierungen wollen eine Abschaltung dieser Reaktoren per Gerichtsverfahren durchsetzen.

In der vergangenen Woche forderten die Abgeordneten der Zweiten Kammer im niederländischen Parlament die Regierung in Den Haag dazu auf, sich den Protesten in den beiden anderen Ländern anzuschließen.