Gefängniswärter klingelten bei Premier Michel

Am frühen Samstagmorgen haben streikende Gefängniswärter der Haftanstalten von Namür und Lantin an der Türe der Privatwohnung von Premierminister Charles Michel (MR - Foto) in Wavre in Wallonisch-Brabant geklingelt. Die rund 20 Schließer der frankophonen Gewerkschaften CGSP und CSC wurden dort um 5 Uhr 30 vorstellig, klingelten aber erst gegen 6 Uhr, so die Gewerkschaften. Der Premier war nicht zuhause, wohl aber seine verängstigte Frau und das gemeinsame Kind.
Nicolas Maeterlinck

Ein Vertreter der frankophonen christlichen Gewerkschaft CSC gab dazu an, man habe vor der Privatwohnung der Michels keine Randale machen wollen, sondern man wollte lediglich ein Gespräch mit dem Premier führen und ihm noch einmal den Forderungskatalog der streikenden Gefängniswärter überreichen. Doch die Gewerkschaftler trafen lediglich die Frau des Regierungschefs an, die angab, dass ihr Mann nicht zuhause sei.

Die Schließer der Haftanstalten in Wallonien und Brüssel haben nach wie vor das Gefühl, dass man ihnen nicht zuhöre. CGSP und CSC verwarfen unlängst ein Abkommen zur Regelung der Probleme mit Bundesjustizminister Koen Geens (CD&V), doch bleiben damit auf verlorenem Posten. Alle anderen Gewerkschaften stimmten zu und mit dieser Mehrheit arbeitet die Politik jetzt. Doch so langsam nehmen die Schließer in Brüssel und Wallonien wieder ihre Arbeit auf. Gestreikt wird allerdings noch in Lantin, Namür, Mons und Tournai.

Die lokale Polizei in Michels Heimatort Wavre wollte den Vorfall nicht kommentieren. Sie nahm lediglich die Personalien der beiden Organisatoren dieser Aktion auf. Die Gefängniswärter zogen gegen 7 Uhr 30 wieder ab, deuteten aber an, wiederkommen zu wollen. Die Bemerkung des Premiers, nach der alle Verhandlungen beendet seien, wollen die Gewerkschaften nicht unkommentiert stehen lassen.

Ein Sprecher des Premierministers sagte, dass Michel dazu bereit sei, eine Delegation der Schließer in seiner Brüsseler Amtswohnung oder im seinem Kabinett. Den frühmorgendlichen Besuch in Wavre verurteilte er aber: „Der nächtliche Besuch hat seine Frau und das vier Monate alte Töchterchen verängstigt, denn die Gewerkschaftler haben dort viel Lärm gemacht.“