Rote Teufel: Ausländische Presse vermisst Teamgeist

Nach dem verlorenen Auftaktspiel der belgischen Fußball-Nationalmannschaft gegen Italien am Montagabend geht die ausländische Sportpresse hart ins Gericht mit dem EM-Titelfavoriten. Fast überall vermissten die Sportberichterstatter den Mannschaftsgeist der Roten Teufel. Talent im Überfluss reiche eben nicht, um ein Topteam zu werden…
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Bei der niederländischen Tageszeitung AD hieß es, dass Belgien lange Zeit einen Fußball, wie ein „kopfloses Huhn“ gezeigt habe: „Ganz Fußball-Europa war gestern gespannt vor dem ersten Auftritt der so talentierten Roten Teufel. Doch es wurde eine herbe Enttäuschung. Italien fand ein Medikament, um einen der Topfavoriten zu bekämpfen. Belgiens Angriff habe ausreichend individuelle Klasse, um aus dem Nichts zuschlagen zu können: „Belgien hat noch alles selbst in der Hand, muss aber besser in den Tag kommen.“

Bei Gazetta Dello Sport in Italien fand der kommentierende Journalist keine 10 Unterschiede zwischen der Squadra Azzura und den Roten Teufeln: „Eines ist sicher. In Wirklichkeit gibt es keine 10 Plätze Unterschied zwischen Belgien (2.) und Italien (12.) auf der FIFA-Weltrangliste. Eine heldenhafte Squadra hat die Roten Teufel K.O. geschlagen.“ Belgien sei „fragil“ gewesen und von einem mittelmäßigen Lukaku sei keine Gefahr ausgegangen: „De Bruyne war nur ein Schatten seiner selbst, während Hazard sehr wohl tapfer spielte. Doch er blieb zu brav am Ball.“

Der britische Rundfunk BBC hat in den Roten Teufeln eine Ansammlung von Individualisten gesehen, die gegen ein Team verloren hat: „Der Sieg der Italiener war das Resultat eines superorganisierten Teams gegen 11 belgische Individualisten, die auf Papier über mehr Talent verfügen. Die Briten müssen es wissen, den viele Rote Teufel spielen teilweise seit Jahren in der englischen Premier League: „Lukaku und Origi vergaben einige Chancen, während De Bruyne auf einer einsamen Insel spielte.“ Doch vor allem bereite die belgische Defensive einiges an Sorgen.

Das Belgien mehr als ein Team aufspielen muss, hat auch das spanische Blatt Marca gesehen: „Die Erwartungen in die jungen Stars der Belgier, die überall in Europa zu wichtigen Standbeiden bei starken Mannschaften wurden, lagen hoch. Doch Belgien war gestern eine graue Maus. Es muss mehr als ein Team spielen, wenn es so weit kommen will, wie die meisten Tipps voraussagen.“

Die französische Sportzeitung L'Équipe schreibt zur Leistung der Belgier gegen die Italiener, dass der Weg vom Outsider zu einem Topland weit sei: „Italien hat Belgien eine Lektion in Sachen Organisation erteilt. De Bruyne vergab in seinem schlechtesten Spiel für die Roten Teufel so ziemlich alles und Lukaku fühlte sich im engen Raum nicht wohl.“ Lediglich Hazard habe alles getan, was er konnte. L'Équipe hofft, dass Belgien diesen Fehlstart am Samstag gegen Irland wieder vergessen macht.

„Italiens Oldies schocken Belgien bei EM mit 2:0-Sieg“ lautet der Titel des Spielberichts auf der Webseite des deutschen Nachrichtenmagazins Focus. Weiter heißt es dort: „Italiens Fußball-Oldies haben Mitfavorit Belgien gleich zum EM-Auftakt einen herben Dämpfer versetzt. Die mit 31,17 Jahren durchschnittlich älteste Startelf der EM-Geschichte besiegte die Mannschaft von Trainer Marc Wilmots am Montagabend in Lyon mit 2:0. Vor 55 408 Zuschauern in Lyon blieb die hochtalentierte Offensive Belgiens weitgehend harmlos, während der viermalige Weltmeister Italien defensiv sicher stand und vorne eiskalt zuschlug.“ Immerhin war die Partie Belgien gegen Italien für den Focus das „bisher beste Spiel der Endrunde in Frankreich…“