"Der Brexit fühlt sich wie eine Amputation an"

Der ehemalige Vorsitzende des Europäischen Rates, ex-EU-Präsident Herman Van Rompuy (Foto), sagte am Freitagabend in der VRT-Sendung „TerZake“, dass er sauer und traurig auf die Nachricht der Briten aus der Union reagiert habe. Doch dies sei nicht das Ende von Europa, so der frühere christdemokratische belgische Premierminister. Zudem sage das Resultat des Brexit mehr über die Briten als über Europa aus.

„Ich war heute Morgen gleichzeitig sauer und traurig, als ich die Nachricht hörte“, sagte der flämische Christdemokrat und überzeugte Europäer Herman Van Rompuy am Freitagabend bei „TerZake“. „Sauer, weil dieses Referendum niemals hätte stattfinden dürfen, auch weil das das Ende des Vereinigten Königreichs einläuten kann, weil das nicht mehr länger einig ist und auch traurig.“

Er sei überzeugter Europäer seit seinem 15. oder 16. Lebensjahr und dies sei nicht das Ende des europäischen Traums: „Aber, es fühlt sich wie eine Amputation an, wie ein Verlust.“ Eigentlich trage er so etwas, wie ein Gefühl der Trauer in sich, so Van Rompuy: „Ich glaube, dass Europa mit 27 weitermachen wird. Die Union wird nicht implodieren, doch es ist uns etwas abgenommen worden.“

Herman Van Rompuy gab an, nicht davon ausgegangen zu sein, dass die Briten tatsächlich für den EU-Austritt stimmen würden. Es habe zwar zunächst schlecht ausgesehen, doch nach dem tragischen Mord an der Labour-Abgeordneten Jo Cox hätten seine britischen Freunde etwas mehr Vertrauen ins Pro-EU-Lager gehabt.

"Die Briten müssen jetzt ihre Konsequenzen tragen"

Die Unsicherheit in Europa dürfe nach Ansicht des ehemaligen EU-Präsidenten nicht lange andauern. Die Britten hätten eine Entscheidung getroffen und müssen jetzt die Konsequenzen davon tragen. Ab jetzt sollten die 27 EU-Mitgliedsländer beim Abschließen von Verträgen mit den Briten ein Auge darauf haben, was für die 27 Staaten von Vorteil sei. Das sei keine Frage der Rache, sondern ein „Wir sind wir und sie sind sie.“

Das Resultat des Referendums und der Brexit sage mehr über den Zustand Großbritanniens, als über die EU. Die Briten hätten die Europäische Union niemals wirklich angenommen, so Van Rompuy, denn sie hätten sich in zahlreichen Bereichen, wie die Sozialpolitik, die Schengen-Zone, die Einwanderung seit Jahren „nicht wie ein vollwertiges EU-Mitglied gezeigt.“

Überdies habe die Brexit-Kampagne der EU-Gegner noch nicht einmal auf Lügen basiert, sondern vielmehr auf Hass und dies habe das Land nicht nur geteilt, sondern auseinandergerissen, so Van Rompuy. Deshalb sage der Ausgang des Referendums mehr über die Briten als über die Unions-Europäer: „Europa hat eine Rolle dabei gespielt, doch in dem, was sich in den vergangenen Jahrzehnten in Großbritannien abgespielt hat, haben sie die Hauptrolle gespielt!“