“Will nicht, dass Belgien den Brexit bezahlt!”

Premierminister Charles Michel (MR - Foto) hofft, dass die Europäische Union in den nächsten Tagen Klarheit über das Timing des Brexit bekommt. Der belgische Regierungschef zählt auf eine objektive Allianz mit Großbritannien. Man könne wohl kaum mit den Vorteilen von Europa rechnen, ohne solidarisch zu sein, so Michel am Dienstagmorgen im VRT-Sender Radio 1.

Am Dienstag beginnt in Brüssel der erste EU-Gipfel nach dem Brexit. Hier erwartet die Europäische Union rasche Antworten von den Briten zur Frage, wie es denn jetzt weitergehen soll. Belgiens Premierminister Michel sagte in einem Gespräch in „De Ochtend“, dem Frühstücksradio der VRT, dass Europa jetzt auch neuen Elan brauche: „Zuerst müssen wir dafür sorgen, dass das europäisch Projekt neuen Schwung bekommt. Die zweite Herausforderung ist zu bestimmen, wie die Verbindung zwischen der EU und Großbritannien weiter verlaufen wird.“

Für Premier Michel ist ein langer und unsicherer Zeitraum keine Option: „Es kann nicht sein, dass man sich heute für eine deutliche Richtung entscheidet, ohne zuerst Großbritannien zuzuhören. Aber, es ist auch keine gute Idee, noch monatelang auf Deutlichkeit zu warten, denn dies bringt Instabilität. Lange Unsicherheit ist für die Unternehmen, die eine Entscheidung treffen müssen, unakzeptabel. Und das ist schlecht für Großbritannien und für die EU.“ Nicht zuletzt würde dies auch Belgien treffen: „Ich will nicht, dass Belgien die Rechnung für den Brexit begleicht.“

Man kann nicht alles haben…

Michel zählt auf eine objektive Allianz mit den Briten, denn - und hier wendet der Premier ein belgisches Sprichwort an - man könne nicht gleichzeitig „die Butter und auch das Geld für die Butter haben“. Alles andere, z.B. ein Präzedenzfall zum Vorteil für die Briten, berge das Risiko eines Zusammenbruchs der EU.

Michel gab an, ein Europa mit verschiedenen Geschwindigkeiten zu befürworten, denn Belgien sei nicht das einzige Land, dass so denken würde: „Dazu muss ein offener Dialog mit den Visegrad-Ländern (Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn (A.d.R.)) geführt werden. Wenn wir aber zu bestimmten Punkten keine Einigung finden, dann müssen wir unsere Konsequenzen ziehen.“