Erster EU-Gipfel nach dem Brexit: emotionsgeladen

Am Dienstag war der britische Premierminister David Cameron wohl zum allerletzten Mal auf einem EU-Gipfel zu Gast. Die 28 europäischen Staats- und Regierungschefs trafen sich in Brüssel erstmals nach dem Brexit. Die Emotionen ließen sich nicht unterdrücken. Die Briten bekommen anscheinend etwas mehr Zeit, um ihren Austritt aus der EU offiziell anzufragen.
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"Hätte ich das Referendum nur gewonnen ...", gestand der konservative britische Premier seinen 27 bald schon Ex-Kollegen des EU-Ministerrates.

"Surrealistisch!"

Nichtdestotrotz hofft Cameron, enge und gute Beziehungen mit der Europäischen Union aufzubauen.

Alle europäischen Staats- und Regierungschefs waren sich für einmal in einem Punkt einig: Der Austritt der Briten muss rasch über die Bühne gebracht werden. Die einen fordern unverzügliche Austrittsverhandlungen, die anderen sind bereit, den Briten etwas Zeit zu lassen. So etwa der EU-Ratsvorsitzende Donald Tusk.

Belgien befindet sich in der Mitte dieser beiden gegensätzlichen Positionen. Premierminister Michel möchte Bewegung in das Projekt bringen: "Wir sollten keine Zeit verlieren. Unsicherheit ist der schlechteste Berater in schwierigen Wirtschaftszeiten."

"Manche finden, dass die Engländer mehr Zeit für die Ausarbeitung einer Strategie bekommen sollten. Merkwürdig, scheint mir Die Brexit -Befürworter fordern mehr Zeit. Wenn Sie mich fragen, klingt das geradezu surrealistisch."

 

 

Juncker: "Dachte, dass die Brexit-Anhänger einen Plan hätten ..."

Jean-Claude Juncker, Vorsitzender der EU-Kommission, konnte sich einen Seitenhieb auf die Gewinner der Brexit-Kampagne nicht verkneifen: "Ich verstehe nicht, dass diejenigen, die austreten wollen, überhaupt keinen Plan haben, wie es weiter gehen soll. Ich dachte, die Brexit-Anhänger hätten einen Plan, ein Projekt, eine globale Vision ..."

David Cameron soll eine Anpassung des freien Personenverkehrs wünschen, aber der Zugang zum europäischen Einheitsmarkt behalten wollen. Der Zugang zum EU-Binnenmarkt sei unabdingbar mit dem freien Berufs- und Personenverkehr verbunden, hieß es auf EU-Seite.

 

Tiefe Wunden

Der angekündigte Austritt der Briten aus der Europäischen Gemeinschaft verlief nicht ohne Emotionen, sagte die EU-Journalistin Leen De Witte gegenüber der VRT. "Alle sind von dieser Entscheidung betroffen. Die Enttäuschung ist groß. Die Wunden sind tief."

Die Entscheidung ist unumkehrbar. Das machte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstagabend in Brüssel deutlich. Merkel ließ auch verstehen, dass das Vereinigte Königreich sich nicht die Rosinen aus dem Kuchen picken dürfe, wenn es um die neue Form der Zusammenarbeit gehe.