Minerva und der Krieg - Bomben auf Mortsel

Jedes Jahr im April findet in Mortsel unweit von Antwerpen eine Gedenkfeier zu Ehren der Oper eines Bombenangriffs auf die Stadt statt. Am 5. April 1943 griffen die britische und die amerikanische Luftwaffe die Minerva-Werke am Rande der Ortschaft an, weil die deutsche Wehrmacht dort eine Flugzeugwerkstatt eingerichtet hatte. Die meisten Bomben verfehlten ihr Ziel…

Schon während des Ersten Weltkriegs waren die Werkshallen von Mimerva Schauplatz des Krieges, als deutsche Truppen die Fabrik im Antwerpener Stadtteil Berchem ausräumten. Nach dem Großen Krieg wagten die Verantwortlichen einen Neuanfang. Zunächst blieb der Personalbestand aber weit unter der Zahl von vor dem Krieg, als etwa 1.600 Arbeiter und Angestellte Minervas bauten. Im so genannten „Interbellum“, der Zwischenkriegszeit, erholte sich die Marke wieder und in Mortsel entstanden neue Produktionsstätten.

Während des Zweiten Weltkriegs besetzten die Deutschen die Minerva-Werke erneut und nutzten sie für die Produktion von Rüstungsgütern. Das Werk in Mortsel wurde damals zum „Front-Reparaturbetrieb Erla VII“, in dem angeblich Messerschmitt-Flugzeuge der deutschen Luftwaffe gewartet wurden. Dort wurden aber auch Bauteile für Flugzeuge und Raketen gefertigt.

Den Alliierten waren die Vorgänge in Mortsel nicht entgangen und so schickten sie sich am 5. April 1943 an, die Werkshallen anzugreifen. Doch die Flugzeuge der britischen und der US-Luftwaffe verfehlten ihr eigentliches Ziel und trafen die Stadt. Im Ortskern von Mortsel und im Minerva-Viertel (nahe dem Angriffsziel kamen zwischen 900 und 1.000 Zivilisten ums Leben, darunter viele Kinder einer Schule, die einige Treffer abbekommen hatte. Viele Bomben verfehlten ihr Ziel um mehr als einen Kilometer. Lange brauchten die USA, um diesen Fehler anzuerkennen und erst 2011 nahm mit Howard Gutman zum ersten Mal ein amerikanischer Botschafter in Belgien an der jährlichen Gedenkfeier teil.

Das Minerva-Viertel

Besonders schwer wurde im April 1943 das Minerva-Viertel getroffen. Dieses Arbeiterviertel nahe den Werkshallen und unweit des „Fort 5“, eine Wehranlage, die zum historischen Antwerpener Verteidigungsring gehört, ist bis heute von den damaligen Ereignissen geprägt. Offensichtlich sichtbar ist das aber eigentlich nicht mehr. Man muss schon genau hinschauen.

In der Fassade eines Wohnhauses mit mehreren Appartements in der Bosstraat ist eine kleine Gedenktafel eingelassen, auf der geschrieben steht: „Zerstört durch den Krieg. Wiederaufgebaut durch das Land.“ Doch auch eine weitere Maßnahme soll an die Zeit und an das Schicksal von damals erinnern und dies steht in direktem Zusammenhang mit der Gedenktafel. Die klassischen Hausfassaden mit ihren weißen Giebeln stehen unter Denkmalschutz. Dort soll alles so bleiben, wie es damals „durch das Land“ wieder aufgebaut worden ist.

Einige ältere Bewohner des Viertels können sich noch genau an die Ereignisse von damals erinnern. Ein älterer Herr, der schon sein ganzes Leben lang dort lebt, machte mit seiner Hand eine 180°-Drehung und zeigte mit dem Finger auf fast jedes Haus: „Das Haus war platt, das Haus war platt, das auch, jenes auch….“

Eine jüngere türkischstämmige Frau hingegen erzählte, dass sie lange nichts vom Schicksal ihres Viertels gewusst habe. Doch eines Tages sei ihre Tochter aus der Schule heimgekommen und habe ihr erzählt, was damals geschehen sei. Im Unterricht in ihrer Schule waren die Bomben vom 5. April 1943 Thema. Die Schule ihrer Tochter erlitt übrigens damals einen Volltreffer…