Nach dem EM-Aus: "Was nun Herr Wilmots?"

Marc Wilmots (Foto), der Trainer der belgischen Fußball-Nationalmannschaft, ist mehr denn je umstritten. Nach dem EM-Aus der Roten Teufel gegen Wales am Freitagabend in Lille wollen die Sportredaktionen einiger belgischer Blätter schon seinen Rauswurf oder raten ihm einen Rücktritt an. Er selbst übernahm die Verantwortung für das Debakel, bat sich aber Bedenkzeit aus.

Die Schlagzeilen der Tageszeitungen waren schon in der Nacht im Internet deutlich und auf Papier waren die Samstagsausgaben streng mit Wilmots und mit den Roten Teufeln: Het Laatste Nieuws: „Und jetzt ein echter Nationaltrainer“ und „Da war so viel mehr drin“; Het Nieuwsblad: „Um uns tot zu schämen“; Het Belang van Limburg: „Ende“; La Dernière Heure: „Das Beste, was Wilmots jetzt machen kann, ist abtreten“; die Blätter des frankophonen Sudpresse-Verlags: „Zerschlagener Traum“; GrenzEcho: „Aus der Traum vom Titel“.

Auch die Fußball- und EM-Analysten waren nach dem Wales-Spiel äußerst kritisch. Für unsere VRT-Sportfachleute zeigte die Partie einen „nie gesehenen Abgang“ und eine Aussage lautete: „Das Haltbarkeitsdatum von Wilmots ist überschritten.“ Ex-Rote Teufel-Keeper Geert de Vlieger war besonders streng: „Wenn man dieses Resultat mit diesen Spielern erzielt hat, dann hat man als Coach versagt.“ Marc Wilmots selbst sagte noch am Spielfeldrand: „Gutes Turnier, doch ein schlechter Nachgeschmack durch das Ausscheiden.“

Auch im Ausland wurde das EM-Aus der Belgier kritisch kommentiert. Stellvertretend dafür stehen Oliver Kahn und der ehemalige Schalke- und Rote Teufel-Spieler Sven Vermant, die beim ZDF von einem „einfallslosen“ und „eindimensionalen“ Spiel der belgischen Mannschaft sprachen. Zum 1:2-Führungstreffer von Robson-Kanu sagte Vermant: „Da muss einfach eine Kommunikation da sein, dass ein Spieler bei seinem Mann bleibt. Drei Spieler werden mit einer Bewegung ausgespielt".

Ex-Nationalspieler Franky Van der Elst stellte in seiner Analyse für die VRT fest, dass die belgische Mannschaft nach dem WM-Aus in Brasilien trotz aller Bemühungen nicht dazu gelernt habe, denn es habe sich nicht verändert und die Probleme seien noch stets die gleichen. Und Nationalkeeper Thibault Courtois sah den Fehler bei den taktischen Beschlüssen von Coach Wilmots. Die Frage lautet natürlich jetzt auch, in wie fern die Mannschaft nach vier Jahren noch hinter ihrem Trainer steht.