Abdeslam: Belgien gab wichtige Info zu spät weiter

In einem Bericht aus dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu den Attentaten in Paris in Frankreich ist offenbar ersichtlich, dass Belgien versäumte, den Franzosen wichtige Erkenntnisse über den in Haft befindlichen mutmaßlichen IS-Terroristen Salah Abdeslam (Foto) zu übermitteln.

Nur Stunden nach den Attentaten von Paris am 13. November 2015 hatten französische Polizisten in Cambrai unweit der belgischen Grenze ein Fahrzeug mit drei Personen angehalten, in dem unter anderem der später als Terrorist identifizierte Brüsseler Salah Abdeslam saß. Doch nach Überprüfung der Identität der Insassen - Abdeslam hatte seinen echten Ausweis vorgelegt - ließ die Gendarmerie den Wagen weiter in Richtung Belgien fahren.

Salah Abdeslam war den belgischen Behörden bereits als radikaler Islamist bekannt, doch diese Information wurde weder an Frankreich, noch an andere europäische Partnerländer weitergegeben. Und auch im europäischen Schengen-Informationssystem (SIS II), wo der Name des Verdächtigen aufgeführt war, stand nichts über dessen effektive Radikalisierung. Diese Liste hatten die Polizisten in Cambrai nach den gerade erst erfolgten Attentaten (129 Tote und Hunderte Verletzte) sogar konsultiert.

Letztendlich hatte Belgien die französischen Nachrichtendienste rund eine Stunde nach dem der fragliche Wagen in Cambrai wieder abgefahren war über die Erkenntnis informiert, dass Salah Abdeslam in Verbindung mit dschihadistischen Kreisen gebracht wurde. Erst danach erfolgte der Haftbefehl auch bei der französischen Polizei. Doch Abdeslam selbst konnte erst am 18. März 2016 verhaftet werden. Bis dahin schaffte er es, unentdeckt im Brüsseler Stadtteil Molenbeek unterzutauchen. Der französische Parlamentsausschuss veröffentlicht seinen Abschlussbericht noch in dieser Woche.