Flanderns Radwege stellen nicht zufrieden

Etwa die Hälfte aller Radwege im belgischen Bundesland Flandern bieten wenig Fahrkomfort und gleichen offenbar eher einer Rüttelstrecke, als einer Fahrbahn. Dieses Urteil fällt der flämische Radfahrerbund nach einer Umfrage unter 2.500 Mitgliedern und 173 Kommunen. Besonders die derzeitige Bezuschussung von kommunalen Projekten durch die Landesebene kann den Radfahrerbund nicht zufriedenstellen.
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In den Augen des flämischen Radfahrerbundes trägt die aktuell von der Landesregierung gehandhabte Bezuschussung von lokalen Radwegen keine Rechnung mit der Fahrbahndecke. Hier werde viel zu oft mit Pflasterung gearbeitet, was Radwege rasch zu Rüttelstrecken mache. Der Bund plädiert für Asphalt, wie z.B. in den Niederlanden. Landesverkehrsminister Ben Weyts (N-VA - kl. Foto) erkennt, dass die Zuschusspolitik hier einer Verbesserung bedarf.

Die Radfahrer von heute sind deutlich anspruchsvoller geworden. Sie fordern nicht nur Radwege an sich, sondern auch eine Fahrradinfrastruktur, die Komfort und Raum bietet. Bruno Coessens, der die Umfrage des flämischen Radfahrerbundes ausgewertet hat, stellt fest, dass die Wahl des Materials für die Fahrbahnen für den Fahrkomfort entscheidend ist: „In den Niederlanden bestehen über 50 % der Radwege aus Asphalt. In Flandern sind das gerademal 26 %. Die meisten flämischen Radwege, rund 40 %, sind aus Beton und 30 % sind aus Pflastersteinen aus Beton. Das sind Baustoffe, mit denen man nur schwerlich einen fahrradfreundlichen Radweg bauen kann.“

In den Augen des Radfahrerbundes drängt sich eine Anpassung der aktuellen Zuschusspolitik in dieser Hinsicht förmlich auf. Hier heißt es dazu, dass für den Ausbau von reinen Radwegen auf eine ausreichende Breite, die sich aktuell in einem schlechten Zustand befinden, keine Zuschüsse vom Land gibt: „Die Finanzierung dafür geht zu 100 % zulasten der Gemeinden und in finanziell angespannten Zeiten genießt dieser Bereich kaum Priorität.“ Bruno Coessens gibt dazu an, dass dieses Problem den Kommunen bekannt ist: „Sie wissen z.B., dass Asphalt mehr Komfort bietet, doch sie wählen Pflastersteine aus, weil diese ästhetischer und billiger sind oder weil sie leichtert zu unterhalten sind.“

Kurt Desplenter

Mehr Möglichkeiten für die Bezuschussung?

Flanderns Landesverkehrsminister Ben Weyts (N-VA) stellt in dieser Hinsicht fest, dass Städte und Gemeinden Pflastersteine auf Radwegen Asphalt nicht nur aus Kostengründen vorziehen, sondern auch aus praktischen Erwägungen. Die lokalen Instanzen bestimmen die Wahl des Materials auch gemeinsam mit den Versorgungsgesellschaften in Zusammenhang mit Wasser-, Strom-, Gas- und/oder Kommunikationsleitungen.

„Trotzdem“, so Weyts, „werde ich die Zuschussmöglichkeiten für die Gemeinden erhöhen, damit man in komfortable, schnelle und sichere Radwege investieren kann. Wir werden auch den Gesamthaushalt für Investitionen in Fahrradinfrastruktur erhöhen.“ Derzeit sieht der flämische Landeshaushalt 100 Mio. € für Unterhalt und Renovierung von Radwegen vor.