Harte Haltung des belgischen Premiers gegenüber Großbritannien

Die Briten sollten nach dem Brexit-Sieg nicht mit der Hilfe Europas rechnen, jetzt da sie 'in ein schwarzes Loch gefallen' seien, lautet die entschiedene Haltung des belgischen Premiers Charles Michel in der Financial Times.

Die Entscheidung des Vereingten Königreichs, aus der EU auszutreten, habe ein schwarzes Loch in Westminster hinterlassen und die europäischen Staats- und Regierungschefs würden sich nicht hinabbeugen, um den Briten dort wieder herauszuhelfen, warnte der liberale belgische Premier.

"Ich bedauere die derzeitige Situation, aber selbst als Freund des Vereinigten Königreichs bin ich nicht bereit, die Rechnung zu bezahlen. Das habe ich nicht vor, denn unsere Beziehung ist jetzt eine andere", so Michel gegenüber der Financial Times.

Unternehmen und Finanzmärkte können nicht warten

Er will auch nicht bis Ende dieses Jahres warten, um Artikel 50 anzuwenden, mit dem der formelle Austritt eingeleitet wird. Theresa May will dies und sie hat große Chancen, als Nachfolgerin von David Cameron die neue britische Premierministerin zu werden. Er denke nicht, dass Unternehmen und Finanzmärkte so lange warten könnten und er macht sich große Sorgen.

Michel nimmt den Briten auch jegliche Illusion, was deren Status nach Vollzug des Austritts betrifft. Ein Szenario, nachdem das Vereinigte Königreich seinen Zugang zum europäischen Markt behalte, aber gleichzeitig den Wünschen der britischen Wähler nachkomme und die Immigration eingrenze, lehnt er ab. Damit würde ein Präzedenzfall geschaffen, der dem gesamten europäischen Projekt entgegenwirke.

Reformen in der EU sind nötig

Trotz entschiedener Haltung hinsichtlich der bevorstehenden Verhandlungen, sieht er den Austritt der Briten als Verlust eines Bündnisparnters an. Er habe als Liberaler einen Teil der Strategie David Camerons zur Durchführung wirtschaftlicher Reformen in der EU vertreten und Cameron auch als Partner im Kampf für mehr konkrete Reformen und Bürokratieabbau gesehen.

Was das betreffe, könne der britische Austritt ein "Weckruf" für die Europäische Union sein, so Michel noch.