"Flandern kann sich ein Beispiel an Holländern nehmen"

In seiner Ansprache zum 11. Juli im Rathaus von Brüssel hat der flämische Parlamenstvorsitzende Jan Peumans (Foto) für eine engere Zusammenarbeit mit den Niederlanden plädiert. Die Feier in Brüssel zum Fest der Flämischen Gemeinschaft ist inzwischen abgelaufen, aber sie wurde von gestern gemachten Äußerungen vom flämischen Ministerpräsidenten, Geert Bourgeois, überschattet.

Die erste, die im Brüsseler Rathaus das Wort ergriff, war die Brüsseler Stadtbeirätin für flämische Angelegenheiten Ans Persoons. Sie unterstrich das Zusammengehörigkeitsgefühl, das in der Hauptstadt nach den Anschlägen vom 22. März entstand.

„Die respektvolle Gesellschaft scheint mit nur dünnen Drähten verbunden zu sein und in Brüssel haben sich die Menschen entschieden, zusammenzukommen, sich die Hand zu geben und sich nicht gegenseitig zu beschimpfen“, so Ans Persoons.

"Flamen sollten selbstbewusster werden"

Jan Peumans, der Vorsitzende des flämischen Parlaments, betonte in seiner Rede zum 11. Juli, dass die Flamen stolz auf ihren Festtag sein könnten und selbstbewusster werden sollten. Hier könne man sich die Nachbarn im Norden zum Vorbild nehmen.

„Am Festtag der Flämischen Gemeinschaft darf jeder Flame stolz und selbstbewusst sein. Mehr noch, ich will die Flamen hinsichtlich des Stolzes und Selbstbewusstseins daran erinnern, auch einmal über das Mäuerchen in Richtung Norden zu schauen, zu unseren nördlichen Nachbarn, den Niederländern. Wenn es ein Volk gibt, das uns etwas in Sachen Stolz und Selbstbewusstsein beibringen kann, dann sind das die Holländer", so Jan Peumans.

Flandern ist der 1. Ansprechpartner der Niederlande bei Handelsbeziehungen

Flandern soll auch eine engere Zusammenarbeit mit den Niederlanden eingehen. Die Niederlande ist nämlich der nach Deutschland zweitwichtigste Exportpartner für Flandern. Flandern sollte laut Peumans deshalb seine diplomatischen Beziehungen mit den Niederlanden weiter ausbauen.

„Das Außenministerium boykottiert noch immer Zusammenarbeitsvereinbarungen mit der EU und diplomatische Posten, denn es weigert sich jegliche ernsthafte Abänderungen infolge der Verträge von Lissabon, insbesondere die EU und die 6. Staatsreform betreffend, durchzuführen“, betonte Peumans weiter.

„Wenn also die Niederlande Handelsbeziehungen mit seinen engsten südlichen Nachbarn eingeht, ist Flandern der erste Ansprechpartner.“

Bourgeois' Äußerungen überschatten Feier

Die Äußerung des flämischen Ministerpräsidenten, Geert Bourgeois, im Vorfeld der Feier, dass die Streikgrenze zu einer Sprachgrenze geworden sei und dass die Flamen darauf spuckten, überschatteten das heutige Event.

Der liberale Premierminister Charles Michel, der auch an der Feier in Brüssel teilnahm, reagierte auf die Äußerungen mit harten Worten: „Meines Erachtens ist das keine adäquate Sprache für einen Ministerpräsidenten. Das ist natürlich ein Mangel an Respekt. Ich stelle jedoch auch fest, dass er seine Äußerungen erklärt hat und was für mich zählt, sind die Maßnahmen, die eine Regierung für die Menschen nehmen kann, um einen positiven Einfluss auszuüben. Polemik interessiert mich nicht.“

Der Ministerpräsident erklärte wiederum, dass er die Streiks in Wallonien meinte und bedauert die ganze Aufregung.