Ministerpräsident erntet Kritik für Polemik gegen Wallonen

Der flämische Ministerpräsident Geert Bourgeois (Archivfoto) hat mit seiner Aussprache zum 11. Juli, dem Festtag der Flamen viel Kritik auf sich gezogen. Im flämischen Privatsender VTM hatte er am Sonntag erklärt, die Sprachengrenze entwickele sich mehr und mehr zu einer "Streikgrenze". Und die Flamen spuckten darauf. Wallonen, aber auch zahlreiche Flamen interpretieren die Äußerung damit, dass er auf Wallonen spucke und halten das für übelste Schimpfpolemik.

Laut der Oppositionspartei der flämischen Grünen Groen betreibe Bourgeois mit seinen Äußerungen polemischen Nationalismus. Doch auch aus der eigenen Mehrheit hagelte es Kritik.

Vizeministerpräsidentin Hilde Crevits (kleines Foto) von den flämischen Christdemokraten CD&V sagte, dass von ihrer Partei aus nicht auf Menschen gespuckt werde. Diese Ansicht vertritt auch ihr Parteifreund, der flämische Parlamentsabgeordnete Robrecht Bothuyne: "Ich denke, dass es nicht nötig ist, dass ein Ministerpräsident beim flämischen Festtag auf andere spuckt. Das erinnert an den Sprachgebrauch der Nigel Farages und Donald Trumps dieser Welt. Wir sind ein starkes Flandern und ein starkes Flandern strebt einen Dialog an und spuckt nicht auf andere."

Jasper Jacobs

Bourgeois: Auch er spucke nicht auf Menschen

Geert Bourgeois hat sich inzwischen um Schadensbegrenzung bemüht und versucht, seine Äußerung zu korrigieren. Er wehrt sich gegen die Kritik und sagt, dass er auf niemanden spucke und lediglich dieses Bild benutzt habe, um die letzten Streiks der Gefängniswärter und bei der Bahn zu kritisieren.

"Es ist irre zu glauben, dass ich oder meine Partei auf Menschen spucken. Ich meinte die Situation. Ich habe gesagt, dass die Sprachgrenze zur Streikgrenze geworden sei. Streiks, die das gesamte Land blockieren, die Menschen daran hindern, zur Arbeit zu gehen, kann man doch nicht hinnehmen", sagte er an diesem Montag. Er habe damit natürlich die negativen Auswirkungen durch die langanhaltenden Streiks auf das gesamte Land gemeint.

Die Diskussion, die jetzt darüber geführt würde, sei verrückt. "Ich möchte nicht auf diesem Niveau diskutieren. Ich habe ein Bild benutzt, um eine Situation zu kritisieren.

Anläßlich des Festtages der Flämischen Gemeinschaft am heutigen 11. Juli hatte der Ministerpräsident gestern in seiner Rede in Kortrijk auch wieder das Thema einer nächsten, das heißt 7. Staatsreform, angeschnitten. Für die Wahlen 2019 fordert er eine tiefgreifende Verfassungsreform, mit der Flandern eine Übertragung von mehr Zuständigkeiten erreichen will.