Türkische Vereinigungen in Belgien reichen Klage ein

Fedactio, der Dachverband von rund 70 türkischen Organisationen und Vereinigungen in Belgien, reicht Klage gegen Unbekannt ein. Nach eigenen Angaben fühlen sich die Vereine und deren Mitglieder in Belgien seit dem vereitelten Putschversuch in ihrer Heimat akut bedroht. Bedrohungen und Sachbeschädigung seien an der Tagesordnung.

Fedactio ist der Dachverband von türkischen Vereinigungen, die der Bewegung von Fetulah Gülen nahestehen. Die Gülen-Bewegung steht bei den Anhängern des türkischen Präsidenten Erdogan im Verdacht, hinter dem vor kurzem niedergeschlagenen Staatsstreich in der Türkei zu stehen. Fedactio selbst gibt an, damit nichts zu tun zu haben. Doch in den vergangenen Tagen kam es zu Übergriffen auf deren Einrichtungen in ganz Belgien, unter anderem in Beringen in der flämischen Provinz Limburg, wo besonders viele Türken leben und arbeiten.

Nach Abgaben des Anwalts von Fedactio, dem flämischen Staranwalt Walter Van Steenbruggen, werden die Mitglieder der betroffenen Vereinigungen unter anderem deswegen auch in Belgien angegriffen, weil sie für die Einhaltung der Menschenrechte und damit gegen die Einführung der Todesstrafe in ihrer Heimat stehen.Dies mache sie in den Augen der Erdogan-Anhänger zu Staatsfeinden.

Fedactio-Sprecher Melvut Akgüngor fordert, dass die Justiz in Belgien jetzt eingreift. Gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion sagte er, dass die Klage aus Vorsicht eingereicht worden sei: „Es handelt sich dabei um eine Vorsichtsmaßnahme, damit sich die Bedrohungen nicht mehr wiederholen. (…) Aber wir rufen zum Dialog auf und zur Ruhe, um unsere Mitglieder und Vertretungen vor einer weiteren Eskalation zu schützen.“

Die Mehrheit der in Belgien lebenden Türken steht hinter der Vorgehensweise von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und seiner Regierung. Schon kurz nach dem vereitelten Putsch in der Türkei war es zu Spannungen zwischen Erdogan- und Gülen-Anhängern gekommen, bei denen es öffentlich zu Angriffen und zu Sachbeschädigungen kam. Inzwischen erhielten mehrere Fedactio- und Gülen-Anhänger in Belgien persönlich anonyme Morddrohungen.