NRW gibt Belgien Hinweise auf mögliche Steuerhinterzieher

Erneut sind umfangreiche Daten über verdächtige Konten - in der Schweiz und in Luxemburg - in Deutschland aufgetaucht. Die brisanten Hinweise gibt das Bundesland NRW an europäische Länder, also auch an Belgien, weiter.

Im Kampf gegen Steuerhinterziehung hat das westdeutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW) Belgien und 18 weiteren europäischen Ländern insgesamt mehr als 100.000 verdächtige Kontodaten zur Verfügung gestellt. Die Informationen, die der NRW-Steuerfahndung teils anonym zugespielt worden waren, betreffen Konten bei einer Bank in Luxemburg und in der Schweiz, sagte NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans am Freitag in Düsseldorf.

Außerdem bekommen die europäischen Steuerbehörden nun Zugriff auf brisante Vertriebsinformationen einer Großbank. Diese könnten dem Minister zufolge auf Beihilfe zur Steuerhinterziehung unter Beteiligung mehrerer Finanzinstitute hindeuten.

Steuerbetrügern müsse klar sein, dass immer mehr Verstecke für ihr Schwarzgeld auffliegen, wird Walter-Borjans in der deutschen Presseagentur dpa zitiert. Die Gefahr, entdeckt zu werden, steige. Die NRW-Finanzverwaltung hatte bereits im April umfangreiche Daten an 27 Staaten weitergegeben. Dabei handelte es sich um Tausende verdächtige Konten ausländischer Privatleute und Unternehmen mit einem Anlagevolumen von insgesamt bis zu 100 Milliarden Schweizer Franken (rund 93 Milliarden Euro).

Dieses Mal geht es um drei Datenpakete. "Wie viel an Volumen dahintersteckt und wie viel sich am Ende als illegal herausstellt", könne man noch nicht sagen. Klar sei aber: Zu einem großen Teil handele es sich um "nicht korrekt versteuerte Konten", so der Minister noch.

Bei der Steuerfahndung der Stadt Wuppertal ging anonym eine Festplatte ein. Darauf finden sich fast 160.000 verdächtige Konto-Informationen bei einer Bank in Luxemburg. Ein großer Teil, mehr als 54 000 Fälle, bearbeiten bereits Experten aus NRW und anderen Bundesländern, weil es um Anleger aus Deutschland geht. Die anderen Fälle betreffen etwa Menschen aus den Niederlanden, Italien, Spanien oder Griechenland, "die großen Brocken" machen Belgien und Frankreich aus. So weisen rund 50.000 Konten nach Belgien und 40.000 nach Frankreich.

Offenbar sollen sowohl Privatleute als auch Unternehmen unter den mutmaßlichen Steuersündern sein.

Ein zweites Info-Paket besteht übrigens aus Angaben über Stiftungen bei einer Schweizer Bank. Neben Deutschland sind dort sieben weitere europäische Staaten gelistet. Die Infos hatte NRW als "Ergänzung einer früheren Datenlieferung" von der französischen Steuerfahndung erhalten, sagte Walter-Borjans auch noch.