Mögliche Einzeltat von Algerier in Charleroi

Noch ist nicht deutlich, was das genaue Motiv des 33-jährigen Algeriers war, der zwei Polizistinnen mit einer Machete vor einer Polizeiwache in Charleroi angriff. Vergangenes Wochenende wurden verschiedene Razzien in der Gegend um Charleroi durchgeführt, so auch im Haus des Bruders des Angreifers, in Farciennes (Hennegau).

Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Attacke des Algeriers bereits für sich, doch laut dem belgischen Innenminister Jan Jambon (kleines Foto) schließe man nicht aus, dass der Mann im Alleingang gehandelt habe.

"In Charleroi ist jetzt etwas passiert, von dem man annimmt, dass es eine Einzeltat war. Da ist jemand auf eigene Faust losgezogen. Ihm sind die Sicherungen durchgebrannt und dann hat er so eine schreckliche Tat begangen. Es gibt jedoch keine ausreichenden Hinweise, jetzt in allen Polizeiwachen die Terrorwarnstufe auf 3 anzuheben", sagte Jambon in der VRT.

Für das gesamte Land gilt Terrorwarnstufe drei ganz allgemein, ein Niveau 2+ gilt für die Polizeidienste.

Die beiden Beamtinnen, auf die der Täter am Samstag losgegangen war, sind inziwschen aus ihrem künstlichen Koma erwacht. Ihr Zustand sei stabil, heißt es.

Zu wenig Plätze in geschlossenen Abschiebezentren

Der algerische Täter hatte sich illegal in Belgien aufgehalten und hätte das Land verlassen müssen. Bis zur Abschiebung hätte er in einem geschlossenen Zentrum untergebracht werden sollen, aber dort war kein Platz mehr, verteidigt sich der Staatssekretär für Asyl und Migration Theo Francken (kleines Foto). Er will sich dafür einsetzen, dass zusätzliche Aufnahmekapazitäten geschaffen werden.

"Ich habe mit gut 400 Plätzen angefangen. Diese Zahl konnte ich auf 600 ausweiten. Das muss weiter steigen."

Im VRT-Radio betont er auch noch: "Ich finde, dass wir mindestens 1.000 Plätze brauchen. Die hatten wir auch unter Patrick Dewael als Innenminister. Die Kapazität wurde auf 400 Plätze abgebaut. Wenn ich zu wenig Plätze habe, nutze ich sie effizienter, damit ich illegal im Land verbleibende Personen, von denen ich weiß, dass ich gute Chancen habe, sie los zu werden, einsperren kann."

Mit Algerien ist bis heute – trotz jahrelanger Verhandlungen – kein Rücknahmeabkommen zustande gekommen. Im Gegensatz zu Marokko, das sehr wohl straffällig gewordene Landsleute aus Belgien zurücknimmt.