Der Fall Dutroux lässt Ex-Justizminister auch nach 20 Jahren nicht los

"Der Ex-Justizminister Belgiens denkt jeden Tag an das, was der Kindermörder Dutroux seinen Opfern angetan hat. Sein Vorwurf: Der Fall ist nicht geklärt, eine Frage bis heute nicht beantwortet", beginnt Die Welt ihren Artikel über den Fall Dutroux (Archivfoto).
Archivfoto: Marc Dutroux

Die Ermittlungen in Belgien seien behindert worden. Außerdem reichten die Spuren offenbar bis Berlin, doch in diese Richtung sei nicht einmal ermittelt worden und wenn nicht ermittelt werde, erfahre man auch nicht die ganze Wahrheit, lautet das Fazit der "Welt am Sonntag". Denn mit dieser deutschen Zeitung haben der ehemalige Justizminister Marc Verwilghen und Chefankläger Michel Bourlet über den Fall Dutroux gesprochen.

20 Jahre nach der Verhaftung des Kindermörders Marc Dutroux sei also nichts vollständig aufgeklärt. "Ich wurde immer wieder gestoppt", sagte Verwilghen, der zwei Untersuchungsausschüsse zu dem Komplex geleitet hatte, der "Welt am Sonntag".

Und der ehemalige Chefankläger im Verfahren gegen Dutroux, Michel Bourlet, sagte der "Welt am Sonntag": "Ich verstehe nicht, warum die Ermittlungen, die ich gefordert habe, nicht geführt wurden."

So könne auch er nicht mit Sicherheit sagen, was hinter dem Fall stecke.

Lesen Sie auf der Webseite "Die Welt" eine Zusammenfassung des Gesprächs.

Hintergrund

Tatsache ist, dass im Fall Dutroux Belgiens Justiz und Polizeiapparat total versagten. Durch mangelnde Zusammenarbeit der Justiz und der Polizei bei den Ermittlungen und Schlamperei auf der gesamten Linie konnte es trotz zahlreicher Hinweise und Indizien, soweit kommen. 

In den Jahren nach der Festnahme Dutroux, am 20. Oktober 1996, fand in der belgischen Hauptstadt Brüssel nicht nur der so genannte „Weiße Marsch“ statt, bei dem 300.000 Menschen auf die Straße gingen, sondern ihre Forderung nach einer gründlichen Reform der Justiz und Polizei wurde nach und nach umgesetzt.

Eine weitere Folge des Dutrouxfalls war die Gründung des Kindersuchwerks Child Focus und die Einrichtung der polizeilichen Sonderkommission für vermisste Personen sowie bei den Staatsanwaltschaften die Einrichtung von SOKOs für Vermisstenfälle.

Viele Bürger in Belgien glaubten schon damals an ein Netzwerk, das hinter Dutroux stehe und ihn geschützt habe. Auch Dutroux selbst hat das immer wieder behauptet. Andere kamen zu dem Schluss, dass Dutroux nicht geschützt worden sei, sondern lediglich Nutznießer von Korruption und Schlamperei gewesen sei.

Belgiens bekanntester und verhasster Verbrecher Marc Dutroux wurde 2004 jedenfalls zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er sechs Mädchen entführt, vergewaltigt und gefoltert hatte. Vier von ihnen starben: Julie Lejeune, Melissa Russo, An Marchal und Eefje Lambrecks.

Ob er vielleicht doch Teil eines Netzwerkes war, der die Drecksarbeit für dunkle Hintermänner erledigte, weiß niemand, aber diese Frage hat die Zeitung "Welt am Sonntag" mit ihrem Artikel jedenfalls wieder aufgeworfen.