Die Getreideproduktion steht in Belgien vor einer Katastrophe

Nachdem die Bauern schon ein verdorbenes Frühjar hinter sich haben und der Sommer auch nicht so richtig konsequent sein will, müssen sie jetzt mit einer Getreideproduktion rechnen, die die schlechteste seit mehr als 30 Jahren sein wird. Für die Bauern, die sowieso schon mehr schlecht als recht mit ihren Erträgen, der Qualität und sinkenden Preisen jonglieren müssen, ist das eine wahre Katastrophe.

Obwohl es in Wallonien noch einige schöne Tage in Folge bedarf, um das gesamte Getreide einzuholen, ist jetzt schon klar, dass die Getreidernte 2016 besonders schlecht ausfällt.

"Klar ist, dass die Erträge nicht den Erwartungen entsprechen. Sie sind mindestens 30% schwächer als im letzten Jahr", erklärt Jean Wart, von der "Société coopérative agricole de la Meuse (Scam), die 50 Sammelstellen im Süden des Landes verwaltet. 

"Wir haben Eträge der 60er Jahre mit der Vielfalt der 2000er Jahre", fasst der Fachmann zusammen.

Finanziell wird das für die Getreidebauern also eine Katastrophe.

Man muss hinzufügen, dass, die Getreideproduktion in den Benelux-Ländern, in Frankreich (europäischer Exporteur Nr. 1) und in einem Teil Deutschlands besonders dramatisch aussieht, während die Situation für die anderen wichtigen weltweiten Produkteure wie die USA, Kanada und vor allem die "Länder des schwarzen Meeres" (Russland, Ukraine und Kasachstan), also die wichtigsten Konkurrenten Westeuropas auf den Märkten des Mittelmeerraumes, weniger düster erscheint.

In solcher Weise, dass der Interantionale Getreiderat mit einem ähnlichen Rekord-Weizenertrag wie im Sommer 2015 rechnet - in dem hatte er 730 Millionen Tonnen erreicht. Das sind Aussichten, die den Getreidekurs belasten. An der Börse von Chicago hat sich zum Beispiel der Kurs des amerikanischen Weizens letzte Woche dem niedrigsten Stand seit 10 Jahren genähert.  

"Das nenne ich einen dreifachen Schmerz: Wir haben keine Erträge, wir haben keine Qualität, sind bei einem spezifischen Gewicht unter der Norm und die Preise stimmen nicht", so Jean Wart. Für ihn ist die Weizenerzeugung in diesem Jahr in Belgien sicher die schlechteste seit mindestens 30 Jahren.

Zuvor hat sich die Ernte der Wintergerste, die Mitte Juli in der Wallonie zu Ende ging, als desaströs erwiesen - mit sinkenden Erträgen von 30 bis 40%.

Für Raps, dessen Anbauoberfläche in Wallonien rund 15.000 Hektar erreicht, ist die Lage etwas verhaltener mit sehr heterogenen Erträgen. Laut Jean Wart sei die Raps-Ernte jedoch weniger katastrophal als die der Halmgetreide.