Der Jakobsweg führt mitten durch Brüssel

Weltberühmt ist er, der Jakobsweg. Für die einen ist der Weg nach Santiago de la Compostella in Spanien eine religiöse Pilgerwanderung, für andere bedeutet er eine innere Einkehr auf der Suche nach sich selbst und für den Nächsten ist der Weg auch eine Reise durch die Geschichte Europas. Und diese Reise führt auf dem Weg von den Niederen Landen in Richtung Süden quer durch Brüssel.

Der Jakobsweg führt aus Richtung der niederländischen Ausgangspunkte Bergen op Zoom oder Breda über Antwerpen und Mechelen nach Brüssel und durchquert die belgische Hauptstadt und ihr Zentrum in südlicher Richtung nach Nivelles in Wallonisch-Brabant. Folgt man der „Via Brabantica“ in Brüssel, so kann man sowohl einige Highlights besuchen, als auch eher unbekannte Perlen am Wegesrand entdecken.

Erster wichtiger Ausgangspunkt in Brüssel ist Madou, ein Platz im Brüsseler Norden zwischen dem Viertel Sint-Joost-ten-Noode und den Regierungsinstanzen in Brüssel. Die Pilger folgten bis hierhin der Löwener Landstraße und im Rücken des belgischen Bundesparlaments findet sich sogleich eines der wegweisenden Muschelsymbole, von denen es hier insgesamt 48 gibt. Vom Parlament aus ist es dann nicht mehr weit zur Brüsseler Kathedrale St. Michael und St. Gudula (Foto, Baubeginn 1226, Fertigstellung Ende des 15. Jhdt.).

Zu entdecken gilt es hier die 1.200 Glasbilder der insgesamt 16 Chorfenster. Im Jahr 1910 fertigten die beiden Frankfurter Glasmaler Rudolf und Otto Lindemann übrigens einige dieser Glasbilder… An der Kathedrale sind gleich mehrere Muschelsymbole zu entdecken.

Weiter geht es über den weltberühmten Großen Markt im Zentrum der Brüsseler Altstadt und in Richtung des… Jakobsviertels. Hier, am so genannten Kohlenmarkt, lädt die kleine aber wunderschöne Marienkirche „Unsere Liebe Frau der immerwährenden Hilfe“ zum Verweilen ein. Diese Kirche bietet ganz in der Nähe der brausenden City Brüssels einen Ruhepol, den selbst die meisten Brüsseler nicht kennen. Hier sind wieder gleich mehrere Muschelwegweiser zu finden - einige davon in Schnitzereien innerhalb der Kirche oder an den Türen.

Durch Anderlecht

Von hier aus, genauer von der großen Achse Anspachlaan aus, teilt sich der Brüsseler Jakobsweg in zwei Routen auf. Die eine führt über den Stadtteil Anderlecht vorbei an der St. Guido-Kirche und nicht weit vom Erasmushaus entfernt.

Zwischen diesen beiden Punkten befindet sich eine ganz kleine Straße, in der einige der allerletzten typischen Arbeiterhäuschen Brüssels stehen. Auch sonst hat das historische Stadtzentrum von Anderlecht einiges an originellen Gebäuden aus allen Epochen zu bieten. Man muss nur seine Augen öffnen und nicht nur auf dem Boden nach Muschelwegweisern suchen….

Quer durch die Marollen

Der andere Weg führt quasi geradewegs in Richtung Süden vom Anspach aus vorbei am Alten Kornhaus-Platz unweit des Manneken Pis zum Anneessensturm und weiter in Richtung der „Brüsseler Marollen“. Hier befindet sich das lokale und multikulturelle Kulturzentrum Bruegel-Haus und im Bereich Hoogstraat, Blaesstraat und Vossenplein das Flohmarkt- und Antiquitätenviertel Brüssel. Der Jakobsweg verläuft aber entlang der Hoogstraat vorbei am Geburtshaus des weltberühmten Harmonika- und Jazzmusikers Toots Thielemans.

Oberhalb der Straße liegt der Justizpalast, der von der Hoogstraat aus per Glaslift zu erreichen ist und von wo aus man einen wunderbaren Blick über Brüssel hat. Das gesamte Viertel lädt dazu ein, sich hier zu verlieren, zu bummeln und den vielen kleinen Läden und Kneipen einen Besuch abzustatten. Empfehlenswert ist hier das „Atelier de la Ville“, das gleichzeitig Cafébar mit feinem Gebäck, Internetcafé und kreatives Atelier ist. Hier bieten junge Modedesigner, Möbelbauer, Maler und Bildhauer ihre Arbeiten zum Verkauf an.

Am Ende der Hoogstraat erreicht man auf seiner Wanderung entlang des Jakobswegs in Brüssel die Hallepoort, eines der großen Stadttore der belgischen Hauptstadt. Dieses Stadttor ist gleichzeitig auch eine Art Stadtmuseum, das einiges geschichtlich Interessantes zu erzählen hat.

Das Tor liegt am Kleinen Innenstadtring etwa auf halbem Wege zwischen dem Internationalen Bahnhof Süd/Midi und der Louizalaan mit ihren Luxusgeschäften und ihren vielen Kunstgalerien in den Seitenstraßen. Von der Hallepoort aus verlässt der Jakobsweg das alte Brüsseler Stadtzentrum über das Sint Gillies-Viertel in Richtung Nivelles. Der oben erwähnte zweite Weg auf der Route in Richtung Santiago de la Compostella führt über die Landstraße nach Mons ebenfalls in Richtung Süden.