Gesucht: Syrien-Rückkehrer Oussama Atar

Der belgischen Polizei ist auch nach einer Reihe von Hausdurchsuchungen und Verhören nicht gelungen, den mutmaßlich in unserem Land untergetauchten Syrien-Rückkehrer Oussama Atar (Foto) zu fassen. Der Belgier marokkanischer Herkunft gilt als gefährlich und ist u.a. mit den El Bakraoui-Brüdern verwandt, die an den Anschlägen auf Brüssel am 22. März beteiligt waren.

Oussama Atar gilt als gefährlich und ist einer der ersten radikal-islamistischen Syrien- und IS-Kämpfer überhaupt. Schon 2003 befand er sich im Irak, also kurz nach dem Sturz des Saddam-Regimes. In dieser Zeit flog ein Waffenschmuggel im Irak auf, an dem Atar beteiligt war. Die Amerikaner warfen ihn damals für neun Jahre ins Gefängnis und dort verbrachte er fast die gesamte Zeit in einer Zelle mit IS-Gründer Abu Bakr al-Baghdadi.

Durch Atars Nähe zu IS-Gründer al-Baghdadi gehen die belgischen Nachrichten- und Sicherheitsdienste davon aus, dass er innerhalb der Terrororganisation eine wichtige Rolle spielt. Inzwischen wird auch gemutmaßt, dass er an der Planung der Attentate vom 22. März in Brüssel und Zaventem beteiligt war.

Atar ist übrigens auch ein Vetter der El Bakraoui-Brüder, die sich bei den Anschlägen auf Brüssel und Zaventem am 22. März in die Luft sprengten und Dutzende Menschen mit in den Tod rissen und er ist auch verwandt mit den Brüdern Moustapaha und Jawad Benhattal, die während der Fußball-EM einen Anschlag auf die Fan-Zone am Rogier-Platz in der Nähe des Brüsseler Nordbahnhofs geplant hatten. Diesen Anschlag konnte die Polizei im Vorfeld bereits vereiteln.

Die beiden sitzen noch in U-Haft. Und Atars Bruder ist noch in Haft. Er wird dringend verdächtigt, ebenfalls an den Attentaten des 22. März beteiligt gewesen zu sein. Bei ihm fand die Polizei Sprengstoffspuren an Haut und Kleidung im Zuge seiner Verhaftung nur kurz nach den Anschlägen.

Die Hausdurchsuchungen, die die Polizei am späten Donnerstagabend in den Brüsseler Stadtteilen Laken, Anderlecht und Evere durchführte, galten ihm, denn offenbar ist er nach Belgien zurückgekehrt.

Bei den Aktionen wurden Atars Mutter und Schwester sowie eine weitere männliche Person festgenommen und zum Verhör abgeführt. Doch inzwischen wurden diese Personen wieder freigelassen. Polizei und Bundesstaatsanwaltschaft halten Oussama Atar für gefährlich, doch konkrete Hinweise darauf, dass er einen Anschlag in Belgien geplant haben könnte, liegen nicht vor, wie dazu verlautete.

Atar verschwand von der Terrorliste

Oussama Atar war eine Zeit lang auf der Terrorverdächtigen-Liste der OCAD-Behörde zur Analyse von Bedrohungsszenarien verzeichnet, doch 2012 verschwand er davon, um erst nach den Attentaten vom 22. März wieder darauf aufzutauchen, wie die VRT-Nachrichtenredaktion herausfand. Die Gründe dafür sind nicht bekannt.

Atar hat die belgische Nationalität und deshalb intervenierte das belgische Außenamt auch im Irak, als er dort inhaftiert wurde. 2010 hatten zudem mehrere hundert Personen für dessen Freilassung demonstriert. Offenbar waren sich die belgischen Behörden nicht im Klaren darüber, wer Oussama Atar eigentlich wirklich war.