Plante Oussama Atar die Anschläge vom 22. März?

Seit einigen Tagen fahnden Polizei und Staatsanwaltschaft in Belgien nach Oussama Atar (Archivfoto 2010), einem mutmaßlich nach Belgien zurückgekehrtem Syrien- und Irakkämpfer, der führenden IS-Mitgliedern wohl sehr nahe stand. Immer mehr Indizien weisen darauf hin, dass er eine wichtige Rolle in der Planung der Anschläge vom 22. März auf den Flughafen von Zaventem und die Metrostation Maalbeek in Brüssel gespielt haben könnte.

In Justizkreisen wird vermutet, dass der marokkanisch-stämmige Belgier Oussama Atar von Syrien aus nach Belgien heimgekehrt sein könnte. Polizei und Bundesstaatsanwaltschaft suchen den neuen „Public Enemy N°1“ mit allen Kräften, doch Razzien, Haussuchungen, Festnahmen und Verhöre haben bisher nichts ergeben.

Sicher ist, dass Atar innerhalb der islamistischen Terrorgruppe IS hohes Ansehen genießt und dass er sich auch deshalb hier auf ein durchaus breitgefächertes Netzwerk verlassen kann, dass ihm beim Untertauchen in unserem Land unterstützt. Dass sich ein so gefährlicher Terrorverdächtiger möglicherweise frei im Land bewegen kann, sorgt bei einigen für Bedenken und auch die Frage, warum er nicht oder nur zeitweise in den einschlägigen Terror- und Fahndungslisten auftauchte, bleibt unbeantwortet.

Fest steht auch, dass die belgischen Behörden im Zeitraum 2010 bis 2012 versucht haben, Oussama Atar aus seiner Haft im Irak, wo er wegen Waffenschmuggels durch die US-Behörden zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, freizubekommen. Seine Familie in Belgien forderte seiner Zeit von der hiesigen Regierung, sie solle Ihn nach Hause bringen und Amnesty International forderte, dass die hiesigen Behörden dabei helfen sollten, ihn adäquat medizinisch behandeln zu lassen.

Rückkehr nach Belgien

Tatsächlich kam der heute 32 Jahre alte belgische Marokkaner 2012 aus dem Irak nach Belgien zurück. In der ersten Zeit danach wurde er von den Behörden auch beobachtet, doch im Laufe dieses Jahres verschwand er von der Liste der im Auge zu behaltenden Terrorverdächtigen der Polizei- und Sicherheitsdienste.

Erst nach den Anschlägen vom 22. März tauchte er wieder auf der OCAD-Liste auf, also auf der Verdächtigenliste der Analysebehörde für Bedrohungsszenarien und auch nur wegen seiner Verwandtschaft zu seinen Vettern, den beiden Selbstmordattentätern von Zaventem und Brüssel Khalid und Ibrahim El Bakraoui.

Seit 2010 im Gespräch

Damals hieß es, Oussama Atar leide in der Haft an Nierenkrebs, werde immer schwächer und verliere Blut. Amnesty International sagt heute dazu, dass man damals nicht dessen Freilassung gefordert hätte, sondern lediglich auf eine vernünftige medizinische Behandlung gepocht habe. Als die Familie Atars 2010 eine Demonstration für dessen Freilassung organisierte, schloss sich Amnesty ebenfalls nicht dieser Forderung an, sondern appellierte lediglich an die Beachtung seiner gesundheitlichen Probleme.

Diese Vorgeschichte lässt aber nicht darüber hinweg täuschen, dass Oussama Atar offensichtlich zum engeren Kreis der IS-Führer gehört und dass er weiter aktiv im „Heiligen Krieg“ ist. In seinem so genannten „Kalifat“ im Raum Syrien-Irak wird es langsam eng für den IS. Das Gefechtsfeld könnte sich deshalb durchaus weiter in Richtung Europa verlegen. Doch wo sich ein so gefährlicher Mann, wie Atar, gerade aufhält, wissen die internationalen Sicherheits- und Geheimdienste ebenso wenig, wie die belgischen Behörden.