14-18: Belgische Soldaten an der russischen Front

Vor 100 Jahren, Ende August 1916, haben belgische Panzerwagen der russischen Armee an der Front in Galizien dabei geholfen, einen österreichischen Vorstoß zu stoppen. Neben den Panzerwagen des belgischen ACM-Korps waren dort auch Fahrradsoldaten an der Front vertreten. Deren Rückkehr in die Heimat glich einer Weltreise.

Das ACM-Korps (Autos-Canons-Mitrailleuses, was etwa so viel heißt wie Kanonenautos mit Maschinengewehren) wurde im Herbst 1915 nach Russland abkommandiert, um die russischen Truppen im Kampf gegen die Deutschen und die Österreicher zu unterstützen. Während der russischen Sommeroffensive 1916 unter General Brusilow kämpften die Belgier an vorderster Front mit.

Gemeinsam mit russischen Kameraden befreiten sie dabei die galizische Stadt Zborow von österreichischen Truppen und versuchten, den Ort zu halten. Den Gegenangriff der Österreicher konnten die Belgier damals mit nur drei ihrer Panzerwagen, die eher gepanzerte Autos waren (siehe Illustration), zurückdrängen.

Nach der Rückkehr der drei belgischen Panzerfahrzeuge nach Zborow wurde ihnen von Seiten des russischen Befehlshabers gratuliert. Die Stadt war für das weitere russische Vorgehen an der galizischen Front von besonderer Wichtigkeit. Die Russen machten damals in der Region Tarnopol enorme Geländegewinne.

Doch die Kämpfe waren äußerst verlustreich. Zehntausende russische Soldaten fielen damals und auch vier belgische Fahrradsoldaten ließen dabei ihr Leben. Sie waren bereits am 11. August 1916 im Gefecht gefallen. Die belgische Fahrradtruppe hatte im Kampf mit den deutsch-österreichischen Verbänden das Dorf Zebrow genommen und besetzt. Doch dabei verloren vier Soldaten im Feuer der Maschinengewehre und bei Artilleriebeschuss ihr Leben.

Rund 400 belgische Soldaten kämpften an der russischen Front

Nach der Besetzung Belgiens durch die Deutschen sammelten sich in Paris etwa 400 junge Soldaten aus unserem Land, um eine Art Elitetruppe zu gründen. Zunächst kämpft diese Truppe mit ihren Minerva-Panzerautos an der französisch-belgischen Grenze, wo sie einem russischen Kapitän, eine Art Verbindungsoffizier oder Militärattaché, auffallen. Diese Truppe interessiert die Russen und nach Verhandlungen mit dem belgischen Monarchen, König Albert I., stellt dieser die neugegründete ACM-Elitetruppe dem russischen Zaren mitsamt ihren Fahrzeugen zur Verfügung.

Damit begann für die jungen Soldaten eine Odyssee, die sie fast um die ganze Welt reisen ließ. In den Jahren 1915 und 1916 kämpfen sie mit den Truppen des russischen Zaren in den Karpaten und in Galizien und später erleben die auch die russische Revolution aus nächster Nähe. Zunächst kämpften sie im Bürgerkrieg mit den zarentreuen Truppen gegen Lenins Kommunisten, doch sie müssen sich aus dem Staub machen.

Sie kaperten einen Zug und fuhren damit quer durch Sibirien nach China und konnten von dort aus 1918 über den Stillen Ozean die USA erreichen. Dort geriet ihre Geschichte in die Medien und die belgischen Soldaten wurden als „King Albert’s Heroes“ berühmt. Sie nehmen sogar an den amerikanischen Siegesparaden nach dem Ende des Ersten Weltkriegs teil.

„King Albert’s Heroes“ oder „Wie 400 junge Belgier in Russland kämpften und die USA eroberten“ ist der Titel eines Buches, dass die beiden Autoren August Thiry und Dirk Van Cleemput über diese Geschichte geschrieben haben. Dabei erzählen sie auch vieles über einzelne Personen, die damals dabei waren. Darunter waren auch der Schriftsteller Marcel Thiry, ein Vorfahre eines der Buchautoren, und der spätere kommunistische belgische Politiker Julien Lahaut (kl. Foto) - das Opfer des ersten politischen Mordes in Belgien.

Lahaut soll in der bewegenden Königsfrage bei der Vereidigung von König Baudouin I. nach dem Rücktritt des als Gegner der Monarchie „Vive la République - Es lebe die Republik“ gerufen haben und wurde wohl deshalb eine Woche später vor seiner Wohnung in Seraing bei Lüttich auf offener Straße erschossen. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.