Premier: "Aufhören, sich zu zerfleischen in Europa!"

Er selbst sei "brutal" von der Information der Entlassungen der Mitarbeiter im Werk des amerikanischen Unternehmens Caterpillar im wallonischen Gosselies überrascht worden, sagt der belgische Premier in einem Interview in der Zeitung L'ECHO an diesem Wochenende.

Es tue besonders weh, dass die Verlagerung ausgerechnet in ein Nachbarland - Frankreich - erfolge und nicht in eine Low-Cost Wirtschaft. Dieser Aspekt müsse geklärt werden: "Warum diese Verlagerung nach Frankreich? Man sagte uns, dass eine Überkapazität der Produktion vorliege, dass sich der Motor, der in Gosselies hergestellt wird, nicht gut verkaufe. Nun, das müssen wir klären. Sicher ist, dass man uns hier jedenfalls nicht den Vorwurf von hohen Arbeitskosten oder mangelnder Flexibilität macht - die Arbeiter haben viel geleistet. Das alles will ich aufklären."

Was Charles Michel auch nicht versteht, ist, dass Caterpillar letztlich nur geringe Steuern in Belgien habe abführen müssen und trotzdem sein Werk verlagere. "Wir haben ihnen ein Geschenk gemacht und das ist ihr Dank hierfür..."

Gleichzeitig betonte der Premier in dem Interview, dass er nicht auf die Entscheidung von Caterpillar zurückkommen wolle, um keine falschen Hoffnungen zu wecken. Das Unternehmen sei fest entschlossen gewesen, seine Entscheidung umzusetzen.

Man werde die Arbeiter von Gosselies aber nicht im Stich lassen, versprach Michel. Auch werde man die Renault-Prozedur einleiten und darauf achten, dass die Arbeiter zu ihrem Recht kommen. Gemeinsam mit der wallonischen Region werde man sich zudem über die Gebäude und das Gelände beraten, so dass das Potenzial, das hier vorhanden sei, nicht verloren gehe.

Die Mehrzahl der internationalen Firmen in Belgien würden sich übrigens sehr gut in Belgien entwickeln. "Man muss aufhören, sich gegenseitig in Europa zu zerfleischen. Voilà, das ist schon ein Teil der Lösung!", so der Premier.