Zaman-Praktikantin sollte der Türkei dienen

Eine Journalismus-Studentin aus Flandern, die bei der belgischen Ausgabe der Gülen-nahem Zaman-Zeitung ein Praktikum absolvieren sollte, ist nach eigenen Angaben von einem türkischen Beamten bedrängt worden, ihm eine Liste der hiesigen Abonnenten des Blattes zu übergeben. Die junge Frau tat dies nicht und bringt den Vorfall jetzt an die Öffentlichkeit.

Zuerst berichtete die flämische Tageszeitung De Morgen von dem Vorfall und danach äußerte sich die angehende Journalistin Anne Van Roste in der VRT-Radiosendung „De wereld vandaag“ zu diesem Thema: „Ich spreche darüber, weil Belgien das Recht hat zu wissen, dass dies passiert.“

Vor einigen Monaten begann Van Roste ein Praktikum bei der der Gülen-Bewegung nahestehenden Zeitung Zaman und zwar in der belgischen Redaktion des Blattes. Als Thema ihrer Abschlussarbeit hatte sie das Thema „Die AKP in Belgien“ ausgewählt. Die AKP ist die Partei des amtierenden türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Dazu sprach die Studentin auch mit prominenten Personen aus der AKP in Belgien: „Und so kam der Ball ins Rollen.“

Dabei kam sie auch in Kontakt mit einem Mann, der sich als staatlicher türkischer Berater vorstellte. Nach einigen Gesprächen bat sie der Mann um eine Liste der Abonnenten, die in Belgien Zaman beziehen. Seinerzeit hatte der Putsch in der Türkei vom 15. Juli noch nicht stattgefunden. Zur Erinnerung: Präsident Erdogan verdächtigt die Gülen-Bewegung, den gescheiterten Putschversuch initiiert zu haben. Der türkische Berater verlangte von Anne Van Roste, dass sie sich am 16. Juli mit der Zaman-Abo-Liste in Ankara melden sollte. Ihre Flugtickets seien bereits gebucht und sie solle auch in der Türkei studieren oder arbeiten.

Nervosität

„Warum er diese Liste haben wollte, hat er mir nie gesagt. (…) Im Nachhinein betrachtet ist es seltsam, dass er die Liste am Tag nach dem Putsch haben wollte. Ab einem bestimmten Augenblick wurde er selbst etwas nervös und schickte mit Nachrichten über WhatsApp, in denen wörtlich stand, dass ich ihn sehr glücklich machen würde, wenn ich mit der Liste nach Ankara kommen würde.“, so Van Roste gegenüber der VRT.

Sie habe aber weder ja, noch nein zu dessen Forderung gesagt. Doch habe sie wissen wollen, wie weit er gehen würde. Die angehende Journalistin hegte sogar Zweifel daran, ob der Mann wirklich ein Berater des türkischen Staates war. Im Laufe der Zeit hatte sie auch den Chefredakteur von Zaman in Belgien von dem Vorfall unterrichtet.

Inzwischen existiert Zaman in Belgien nicht mehr. In der vergangenen Woche kündigte der Verwaltungsrat von Zaman an, die Veröffentlichung ihres Blattes u.a. auch aus Sicherheitsgründen gegenüber den Mitarbeitern und den Lesern einzustellen. „Ich weiß nicht, wo das noch enden wird. Ich habe lange geschwiegen? Jetzt rede ich doch, weil ich finde, dass Belgien als Land das Recht hat, zu wissen, dass so etwas hier passiert.“, so Anne Van Roste abschließend.

Neues türkisches Blatt in Belgien

Nach einer Meldung der flämischen Tageszeitung De Morgen kommt nur wenige Tage nach dem Aus für Zaman ein neues Blatt für die in Belgien lebenden Türken heraus. Das Monatsmagazin „Kuzey“, dass zu der dänischen Mediengruppe Mergen Group, die einem türkischen Journalisten gehört. Das Blatt soll nach eigenen Angaben neutral und objektiv berichten und vor allem türkische Leser über Belgien und hiesige Themen informieren.

Zunächst soll „Kuzey“ online erscheinen und ab etwa Oktober auch als Druckversion. Mit den Vorgängen nach dem Putsch in der Türkei und dem Ende von Zaman in Belgien habe man nicht zu tun, heißt es dazu. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung sei eher zufällig und im Nachhinein sogar etwas unglücklich gewählt, so der „Kuzey“-Chefredakteur Fikret Aydemir gegenüber De Morgen.