Rheinhäfen: Allianz mit Antwerpen und Rotterdam

Seit vielen Jahren schon sind die Rheinhäfen Duisburg, Düsseldorf/Neuss und Köln in Nordrhein-Westfahlen über den Schienenweg oder die Binnenwasserstraßen mit den Nordseehäfen Antwerpen, Zeebrügge und Rotterdam verbunden. Viele Millionen Tonnen Waren und Güter werden hier transportiert. Doch diese Partnerschaft gerät unter Druck, denn aus dem Süden Europas droht Konkurrenz. NRW ruft Antwerpen und Rotterdam dazu auf, sich mit den Rheinhäfen in einer Allianz zu vereinigen, schreibt die deutsche Tageszeitung Die Welt dazu.

Auf dem Rhein und auf den Kanälen in Nordrhein-Westfahlen werden jährlich mehr als 120 Millionen Tonnen Güter und mehr als eine Million Standardcontainer transportiert und umgeschlagen. Mehr als die Hälfte der Güter und zwei Drittel der Container entfallen dabei auf die Häfen Duisburg, Düsseldorf/Neuss und Köln, die mit den Nordseehäfen Zeebrügge, Antwerpen und Rotterdam als die wichtigsten Kanäle zur Versorgung Nordwesteuropas mit Gütern und Waren aus aller Welt gelten.

Doch diese Vormachtstellung ist nach Ansicht der NRW-Behörden bedroht, schreibt die Welt dazu. In Südeuropa formiert sich seit einigen Jahren eine neue Konkurrenz, die sowohl den Häfen an der Nordsee wie auch denen am Rhein gefährlich werden könnte. Nach der umfassenden Verbreiterung des Suezkanals in Ägypten werde jetzt auch Häfen in Italien, Slowenien, Griechenland und Frankreich ausgebaut, auch mit chinesischem Kapital.

Die größte chinesische Reederei, Cosco, hat zudem gerade erst in Griechenland den Hafen von Piräus gekauft und plant neue Transportwege in Süd- und Südosteuropa, vor allem auf der Schiene. Auch im slowenischen Adriahafen Koper, in Marseille sowie in den italienischen Häfen von Genua und Gioia Tauro rüstet man sich für eine neue Zukunft.

Praktisch spart ein am Mittelmeer auf Schiene oder LKW verladener Container gegenüber der Schifffahrt um Gibraltar bis zur Nordsee etwa fünf Tage ein. Hinzu kommt, so Die Welt, dass nach Eröffnung des neuen Gotthard-Basis-Tunnels in der Schweiz künftig auf der Tangente Rotterdam-Genua verstärkt Güter in beide Richtungen fließen werden. Diese fahren dann fast auf Sichtweite an den Rheinhäfen und am Duisburger Binnenhafen vorbei.

NRW: "Allianz schmieden"

Nordrhein-Westfahlen hatte kürzlich in Essen zu einer Hafenkonferenz gerufen, um dort mit den Nordseehäfen Antwerpen im belgischen Bundesland Flandern und Rotterdam in den Niederlanden eine Allianz zu schmieden, mit der man sich gegen die Südost-Europäische Konkurrenz wappnen könnte. Damit stieß das bevölkerungsreichste deutsche Bundesland bei den Angesprochenen offenbar auf offene Ohren.

Die Häfen in NRW und die Seehäfen in Belgien und in den Niederlanden ergänzen einander schon jetzt und Probleme bei den deutschen Partnern haben direkte Auswirkungen auf die dortigen Aktivitäten. Allerdings müsse Nordrhein-Westfahlen strukturell aufrüsten und Antwerpen forderte zum wiederholten Male einen Ausbau der Kapazitäten auf der Bahnstrecke Aachen West-Düren-Köln, die über Montzen (Prov. Lüttich) und Hasselt (Prov. Limburg) NRW direkt mit dem Antwerpener Hafen verbindet. In Belgien und in den Niederlanden werde schon seit geraumer Zeit in international flexible IT-Systeme und in entsprechende Verkehrsinfrastruktur investiert, hieß es dazu.

Als Beispiel dienen die weitere Ausbaggerung der Westerschelde (in den Niederlanden), damit Hochseefrachter mit größerem Tiefgang Antwerpen leichter erreichen können, der Bau neuer Schleusen und Docks, eine bessere Hinterland-Anbindung per Schiene (u.a. über einen neuen Scheldetunnel nur für Güterzüge) und Bestrebungen, die alte Güterverbindung „Eiserner Rhein“ zwischen Ruhrgebiet und Antwerpen zu re-aktvieren, was aber auf massiven Wiederstand von Bürgerinitiativen in NRW und den Niederlanden stößt.