Mol-Dessel: Mehr Leukämie bei Kindern?

Laut einer Untersuchung leiden Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 14 Jahren im Umkreis der belgischen Kernforschungs-, Wiederaufbereitungs- und Produktionszentren von Mol und Dessel (Prov. Antwerpen) zwei bis dreimal mehr an Leukämie, als Gleichaltrige in anderen Gegenden in Belgien.

Nach Meldungen der flämischen Tageszeitungen De Morgen und Het Laatste Nieuws weist eine entsprechende Studie, die im Umkreis von 15 km rund um die Anlagen von Mol und Dessel (Foto oben) durchgeführt wurde, nicht nur auf eine eventuelle erhöhte Strahlung hin, sondern auch auf die Windrichtung, in die entsprechende „Abgase“ wehen.

Die entsprechende Studie, die auch an das belgische Gesundheitsministerium gesendet wurde, erschien jetzt in der Fachzeitschrift European Journal of Cancer Prevention und basiert auf einer ähnlichen Erhebung, die bereits 2008 in Deutschland durchgeführt wurde.

Ko-Autor dieser Studie war unter anderem Lodewijk Van Bladel von der Bundesagentur für Nuklearkontrolle (FANC) in Belgien.

Er ist der Ansicht, dass man eine weiterführende Studie auf eine größere Gruppe von Anwohnern in einem Umkreis von 15 km um Atomanlagen herum anfertigen müsse, denn die Region Mol-Dessel sei eher dünn besiedelt und dementsprechend sei die Zahl der an Leukämie erkrankten Kinder und Jugendlichen eher gering, wenn auch prozentual durchaus repräsentativ.

Els Cleemput, die Sprecherin von Bundesgesundheitsministerin Maggie De Block (Open VLD), gab dazu gegenüber De Morgen an, dass diese Erhebung statistisch gesehen nicht stark genug daherkomme und dass entsprechende weiterführende Studien bereits laufen würden.

Kausaler Zusammenhang?

Über den kausalen Zusammenhang zwischen erhöhten Leukämie-Erkrankungen in der näheren und weiteren Umgebung von Nuklearanlagen gehen die Ansichten auf allen Ebenen weit auseinander. Die Bürgermeister von Mol und Dessel sind der Ansicht, dass es keine „signifikanten Zusammenhänge“ gebe und Studien aus Frankreich und Großbritannien sage das gleiche, so De Morgen.

Und doch wolle man kein einziges Risiko unbeachtet lassen, so Studien-Ko-Autor Van Bladel: „Es fällt einfach zu sehr auf, dass nirgendwo anders, außer in Mol und Dessel, mehr Leukämie vorkommt.“ Die Aktivitäten dieser Anlagen seien sehr vielfältig gefächert, doch in der Region sei auch andere umweltverschmutzende Schwerindustrie aktiv. Alle Hypothesen seien deshalb noch offen, so der Nuklearexperte.