Peeters: "Sicherheit nicht mit Freiheit bezahlen"

Im Rahmen der 60. Wallfahrt zum Gedenken der aus Belgien von den Nazis deportierten Juden und Zigeuner an der Kazerne Dossin in Mechelen (Prov. Antwerpen) wiedersetzte sich Vizepremierminister Kris Peeters (CD&V) in einer Ansprache der Gleichgültigkeit und plädierte für eine Beibehaltung unserer Freiheiten.

Die Kazerne Dossin in Mechelen war während des Zweiten Weltkriegs ein Sammellager der Nazis, von dem aus über 25.000 Juden und mehr als 350 Zigeuner aus Belgien und aus Nordfrankreich in die Vernichtungslager deportiert wurden. Heute ist diese ehemalige Kaserne gleichzeitig Mahnmal, Gedenkstätte, Holocaust-Museum und historisches Archiv. Seit 60 Jahren organisiert die Vereinigung der jüdischen Deportierten in Belgien, „Söhne und Töchter der Deportation“, eine Wallfahrt nach Mechelen, um den Ereignissen und den Opfern von damals zu gedenken.

Vizepremier Peeters nutzte seine Ansprache in der Kazerne Dossin, um in der Erinnerung an damals eine Brücke in Richtung Aktualität zu schlagen. Er gedenke den Opfern von damals, sagte der flämische Christdemokrat und eben deshalb sei es so beunruhigend, dass sich die öffentliche Debatte zu Themen, wie Flüchtlinge, Einwanderung oder Terrorismus im Ton so verschärfe: „Respekt für andere und andere Meinungen werden als Schwäche gedeutet. Die Haltung gegenüber Menschen mit einem Migrationshintergrund, einer anderen Hautfarbe oder Religion verschärft sich.“

Angesichts laufender und hitzig geführter politischer Diskussionen zum Thema Ausnahmezustand für Belgien oder zumindest zu einer Einführung verschärfter Sicherheitsgesetze, ließ sich Vizepremier Peeters in seiner Ansprache vom Ort des Geschehens bzw. vom Hintergrund der Wallfahrt inspirieren:

„Wir gedenken heute Menschen, die ihr Leben verloren haben, weil einmal Absolutismus die Oberhand bekam. Wir dürfen also nicht in die Falle tappen und denken, dass Sicherheit und Freiheit mit einander kommunizierende Begriffe sind. Sicherheit kann man nicht kaufen, in dem man sie mit Freiheiten bezahlt. Sicherheit kann man nicht mit dem Ausschließen von Menschen oder in dem man diskriminiert erreichen. Lasst uns also nicht damit anfangen, an den Werten unseres Grundgesetzes und unserer Gesellschaft zu fummeln.“