Rassistischer Ausrutscher im Parlament

Am gestrigen Donnerstag soll der flämische Liberale Luk Van Biesen (Open VLD, Foto rechts) in der Kammer des belgischen Parlaments die Fraktionschefin der flämischen Sozialisten, Meryame Kitir (SP.A, Foto links), aufgefordert haben, wieder nach Marokko zurückzukehren. Dieser Ausrutscher sorgt in Parlament und Medien für Bestürzung.

Am Donnerstag wurde in der Kammer über die Schließung des Caterpillar-Werkes in Charleroi und den damit verbundenen Arbeitsplatzverlust debattiert. Nach einem Redebeitrag von Meryame Kitir hat Van Biesen etwas gerufen. Was der genaue Wortlaut des Zwischenrufes war, ist unklar. Hierzu gibt es drei Versionen.

Sozialisten Kitir ist überzeugt, der liberale Parlamentarier habe gesagt, sie müsse zurück nach Marokko. Van Biesen behauptet er habe gesagt, wenn die Arbeitnehmer von Caterpillar so leistungsstark seien, fänden sie überall – auch in Marokko – eine neue Arbeit. Noch andere Anwesende wollen gehört haben, dass Van Biesen gesagt haben soll, wenn die Arbeitnehmer von Caterpillar wirklich solche Experten seinen, sie doch nach Marokko zurückkehren könnten, um dort Arbeit zu finden.

Nach dem Zwischenfall hat sich Van Biesen öffentlich entschuldigt. Er habe seine sozialistische Kollegin nicht beleidigen wollen. Er habe nicht sie persönlich gemeint, sondern sich zur internationalen Arbeitsmigration äußern wollen.

Konstruktives Gespräch

Am Freitagmittag äußerten sich die beiden Parlamentarier nach einem, wie sie es nannten „konstruktiven Gespräch“ in einer gemeinsamen Stellungnahme vor den Kameras.

Van Biesen bekundete sein Bedauern wegen seiner verletzenden Äußerung. „Ich bedauere die verletzenden und beschuldigenden Worte über eine Rückkehr nach Marokko. Es tut mir auch besonders leid, dass ich Frau Kitir und die marokkanische Gemeinschaft verletzt habe. Das war nicht meine Absicht“, so Van Biesen.

„Ich möchte klarstellen, dass ich kein Rassist bin und nie einer werde. Ich hoffe, dass wir in Zukunft gemeinsam gegen Rassismus kämpfen können. Rassismus ist hier nicht erlaubt und das gilt ganz besonders für das Parlament. Wir haben eine Vorbildfunktion und wir können gemeinsam Initiativen zur Bekämpfung des Rassismus ergreifen.“

Meryame Kitir begrüßte, dass ein konstruktives Gespräch zur Klärung des Sachverhalts möglich war. „Ich bin zufrieden, dass das Problem zugegeben wird. Besonders freut mit, dass deutlich gemacht wird, dass Rassismus im Parlament und überall sonst verboten ist. Es freut mich, dass wir im Dialog eine gemeinsame Position gefunden haben und gemeinsam die Botschaft bringen, dass wir absolut gegen Rassismus sind.“