"Flandern & die Niederlande an der Spree"

Politisch-literarische Abende sind im Berliner Büro des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels erprobt. Eine Veranstaltung am vergangenen Mittwoch stand ganz im Zeichen der Ehrengäste der bevorstehenden Frankfurter Buchmesse. „Flandern & die Niederlande an der Spree“ lautete das Motto des Abends, bei dem auch der flämische Historiker und Autor David Van Reybrouck (Foto) zu Gast war.

In den Räumlichkeiten am Schiffbauerdamm begrüßte Vorsteher Heinrich Riethmüller rund 100 geladene Gäste aus Kultur und Politik, darunter auch Bas Pauw, den Projektleiter des Ehrengastauftritts, den künstlerischer Leiter Bart Moeyaert und Messedirektor Jürgen Boos.

Birgit Reuß, die Leiterin des Berliner Büros, und ihr Team hatten sich diesmal einen besonderen Schwerpunkt ausgedacht: die literarische Auseinandersetzung mit der Rolle Belgiens und der Niederlande als ehemalige Kolonialmächte. Angesichts der prekären Situation in der Welt, könne es erhellend sein, zurückzublicken, betonte Riethmüller. Wie Recht er damit hatte, zeigte eine Lesung der Schauspielerin Claudia Michelsen aus Hella S. Haasses Das indonesische Geheimnis (Transit Buchverlag) und Kongo. Eine Geschichte von David Van Reybrouck (Suhrkamp Verlag).

Das indonesische Geheimnis erschien bereits 2002 in den Niederlanden. Hella S. Haasse, die 1918 in Batavia (Jakarta) geboren wurde und 1940 zum Studium in die Niederlande ging, beleuchtet das Kolonialleben im Indonesien der zwanziger und dreißiger Jahre. Die Übersetzung von Birgit Erdmann und Andrea Kluitman erschien 2015.

"Kongo, Eine Geschichte"

Der Gastlandauftritt bedeute nicht zuletzt wegen der Übersetzungsförderung einen Riesenimpuls, betonte Transit Verleger Rainer Nitsche im Gespräch mit Thomas Böhm, dem Moderator des Abends. Er habe nicht nur eine neue Autorin entdeckt, sondern auch erfahren, dass die Kolonialgeschichte größtenteils wenig bekannt ist. „Man setzt sich mit Aspekten auseinander, die vorher nicht aufgefallen sind.“

Im Gespräch mit dem belgischen Historiker David Van Reybrouck lobte Thomas Böhm dessen einzigartige Erzählweise und den Rechercheaufwand. Der Autor hat sich für sein preisgekröntes Buch umfassend mit der Geschichte des Zentralafrikas befasst, zahlreiche Reisen in den Kongo unternommen und Gespräche mit rund 500 Menschen geführt. David Van Reybroucks Leidenschaft machte die Gäste neugierig auf die Lektüre von Kongo. Eine Geschichte (aus dem Niederländischen von Waltraud Hüsmert).

David Van Reybrouck wird auch zur Buchmesse anreisen und in Frankfurt lesen und diskutieren. Im Wallstein Verlag ist in diesem Jahr sein Buch Gegen Wahlen. Warum Abstimmen nicht demokratisch ist (aus dem Niederländischen von Arne Braun) erschienen.