Die Lufthansa übernimmt Brussels Airlines

Der Aufsichtsrat der deutschen Fluggesellschaft Lufthansa hat am Mittwoch entschieden, von ihrer „Call“-Option zur Übernahme der restlichen 55 % der Aktien der belgischen Gesellschaft Brussels Airlines Gebrauch zu machen. Ziel ist, bis Ende des Jahres eine Einigung mit den belgischen Aktionären zu erzielen, damit Lufthansa Brussels Airlines Anfang 2017 vollständig übernehmen kann.
BELGA/DOPPAGNE

Derzeit besitzt die Lufthansa 45 % der Anteile an der SN Airholding, die Kuppel-Holding über Brussels Airlines. Schon seit Jahren hat Lufthansa die Möglichkeit, Brussels Airlines ganz zu übernehmen, verzichtete bisher aber auf diesen Schritt.

Diese Möglichkeit besteht noch bis 2018. Doch jetzt entschied der Lufthansa-Aufsichtsrat in Köln, diese Option zu nutzen, um Brussels Airlines bis 2017 vollständig übernehmen zu können.

Hinter der Übernahme von Brussels Airlines steht offenbar ein Ausbau der Lufthansa-eigenen Billigfluggesellschaft Eurowings, in der die belgische Fluggesellschaft mittelfristig aufgehen könnte. Zum Kaufpreis machte der Konzern keine Angaben.

Bisher gehört die Fluglinie mehrheitlich mehreren Eigentümern, darunter die Region Brüssel, der Brüsseler Flughafen, Banken und die Virgin Group des britischen Unternehmers Richard Branson.

Kaufpreis?

Über den Kaufpreis schweigen sich die Lufthansa und Brussels Airlines aus. Laut der flämischen Tageszeitung De Standaard machen gleich zwei Kaufpreise die Runde: Ein „Krisenpreis“ und ein „normaler“ Preis. Der „Krisenpreis“ beläuft sich auf angeblich lediglich 2,6 Mio. €, der „Normalpreis“ für die BA liegt bei rund 150 Mio. €.

Pikant ist laut De Standaard dabei, dass sich die belgische Fluggesellschaft aktuell gar nicht mehr in einer Krise befindet. Sie trägt diesen Status offenbar nur, „weil es die Lufthansa so will.“

Brussels Airlines wollte 2015 einen restlichen Schuldenbetrag über 45 Mio. € aus einer Lufthansa-Kreditlinie aus dem Jahr 2012 zurückzahlen, doch die Deutschen lehnten dies seinerzeit ab. Kleinanleger aus Belgien protestierten am Mittwoch in Köln gegen den „Krisenpreis“ für Brussels Airlines.

Sabena

Brussels Airlines entstand aus den Trümmern der Anfang November 2001 pleitegegangenen belgischen Traditionsgesellschaft Sabena. Dies war bis dato die größte Unternehmenspleite in der belgischen Geschichte. Einst jedoch war die Sabena ein Pionier der zivilen Luftfahrt in Europa, vor allem durch ihre Flüge in Richtung Afrika.

Die Sabena - was für Société Anonyme Belge d’Exploitation de la Navigation Aérienne steht - wurde am 23. Mai 1923 als staatliche belgische Fluglinie gegründet. Sie ging aus der einige Jahre zuvor gegründeten SNETA hervor und führte ab Anfang 1924 erste internationale Flüge mit europäischen Zielen durch.

Von Anfang an jedoch war die Sabena auch Fracht- und Reisefluggesellschaft auf dem afrikanischen Kontinent. Hier hatte sie den Auftrag, die Städte und Zentren der belgischen Kolonien im zentralen Afrika miteinander zu verbinden. Erste Fluglinien wurden zwischen Leopoldville - dem heutigen Kinshasa, Lisala und Stanleyville - heute Kisangani genannt - im Kongo eingerichtet.

In den 1990er Jahren nahm der Wettbewerb im Flugverkehr immer mehr zu und die Sabena war längst nicht mehr die große belgische Airline von einst. Mit neuem Namen - Sabena World Airlines, neuem Design und neuen Partnern sollte eine neue Zeit anbrechen. Eine erste Kooperation mit Air France, die 1993 eine Minderheitsbeteiligung übernahm, wurde nach nur kurzer Zeit wieder aufgelöst. 1995 stieg dann die Swissair mit einer Beteiligung von 49 % bei der Sabena ein - wie man heute weiß, der Anfang vom Ende.

Im Zuge dessen wurde die gesamte Flotte der Sabena von Boeing auf Airbus umgerüstet und Schulden häuften sich ohnegleichen an. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 auf New York und Washington, die der Luftfahrt weltweit einen schweren Schlag zufügten, brach auch die Sabena zusammen. Die Swissair, die auf Kosten der Sabena fürstlich lebte, schuldete dem belgischen Partner zu diesem Zeitpunkt noch 84 Millionen Dollar.