Magnette zu ING: "Bequemer Vorwand, um Dividenden zu erhöhen"

Nach der Ankündigung der niederländischen Großbank ING von umfangreichen Stellenstreichungen in Belgien, betonte der flämische Ministerpräsident Geert Bourgeois (N-VA) in der VRT am Montag, dass man sich jetzt auf Regierungsebene beraten wolle, wie die Arbeitnehmer bei ING und anderen Banken mit Blick auf einen neuen Job begleitet werden können. Der wallonische Ministerpräsident Paul Magnette (PS) (Archivfoto) reagierte mit scharfer Kritik an der niederländischen Bankengruppe.

Jetzt, da immer mehr Menschen ihre Bankgeschäfte online abwickelten, müsse man dafür sorgen, dass die Menschen, die entlassen würden und dem Arbeitsmarkt noch zur Verfügung stünden, umorientiert werden könnten.

Hierüber hätten letzte Woche bereits Beratungen von Seiten des Kollegen Philippe Muyters (flämischer Arbeits- und Wirtschaftsminister) mit dem Bankenverband Febelfin und dem flämischen Arbeitsamt VDAB stattgefunden. "Vereinbart wurde, dass man Umorientierungen anbieten wird. Die VDAB hat jetzt schon und im Nachhinein theoretische Übungen durchgeführt zu den Profilen, den Jobs, für die die Leute aus dem Bankenwesen in Frage kommen könnten", so Bourgeois.

"Bequeme Ausrede"

Auch der wallonische Ministerpräsident Paul Magnette reagierte auf die Ankündigung des Stellenabbaus und der  Schließung von zahlreichen Filialen der ING in Belgien. "Lassen Sie uns nicht von den Argumenten einwickeln", nach denen eine Bank wie die ING Entlassungen aus Gründen der Digitalisierung der Wirtschaft durchführt, so der Ministerpräsident Walloniens bei seiner Ankunft im Hörsaal der UCL, katholischen Universität von Louvain-la-Neuve am Montag.

Dort hielt der Ministerpräsident eine Gastvorlesung vor Studenten der Politikwissenschaften.

In seinen Augen erkläre die technologische Entwicklung nur zum Teil die Entscheidung der ING. Natürlich sei die Bankenbranche und ihr Dienstleistungssektor im Umbruch, doch die Digitalisierung schaffe auch Arbeitsplätze. Man brauche Software, Wartung und Sicherheitsdienste etc. 

"Das ist ein nur allzu bequemer Vorwand, um die Dividenden zu erhöhen. ING hat in den letzten 10 Jahren hat fast sieben Milliarden Euro in die Niederlande zurückfließen lassen, ihr CEO hat sich vor einigen Wochen eine Erhöhung von 25% seines Gehaltes gegönnt. Er verdient 40 Mal mehr als der Durchschnitt seiner Angestellten! All das zerstört die Regeln des Zusammenlebens", so Magnette noch.

Er rief erneut dazu auf, die Gesetzgebung im Hinblick auf kollektive Entlassungen und das Renault-Gesetz zu überarbeiten, um das Recht der Arbeitnehmer gegenüber den Multinationals zu stärken.