Geht Electrabel nachlässig mit der Sicherheit um?

Aus einem internen Bericht des belgischen Energiemultis Electrabel geht hervor, dass das Unternehmen nicht besonders sorgfältig mit sicherheitsrelevanten und vertraulichen Dokumenten umgeht. Aus dem Bericht ist ersichtlich, dass die Auditoren 26 Verstöße in dieser Hinsicht feststellen mussten. Bei Electrabel hieß es dazu, dass man die Probleme erkannt habe und sie sehr ernst nehme. Doch einiges aus diesem Audit sei „aus dem Kontext gerückt“.

Die Resultate des internen Sicherheitsaudits wurden den Verantwortlichen bei Electrabel Anfang Juni überreicht und zwar im Hinblick auf eine Kontrolle der Atomanlagen durch die belgische Bundesagentur für Nuklearkontrolle (FANC). Der Bericht betrifft die fünf Einheiten, die für die nukleare Sicherheit bei Electrabel zuständig sind, bzw. die in dieser Hinsicht sicherheitsrelevant sind: Nuclear Corporate Production, Corporate Security, Electrabel Corporate Nuclear Safety Department (ECNSD) und die beiden Atomkraftwerke in Doel (Antwerpen) und Tihange (Lüttich).

Bei dem Audit kamen nicht weniger als 26 nicht-konforme Vorkommnisse (major non conformity) zutage. Dazu heißt es im vorliegenden Audit: „Wir können daraus schließen, dass die Handhabung von den Dokumenten, deren Verwaltung gesetzlich festgelegt ist, mit Ausnahme der ECNSD, nicht der Gesetzgebung entspricht und dass entsprechende Handlungen notwendig sind.“

Die vorliegenden Probleme variieren offenbar von Anlage zu Anlage. Dabei geht es z.B. um die Tatsache, dass Subunternehmer im Kernkraftwerk Doel über alle „neuen Pläne zur Site Security“ verfügen, ohne dass Electrabel davon unterrichtet ist. Daneben sollen Räume, in denen sensible Dokumente aufbewahrt werden, nicht ausreichend gesichert sind und dass mancherorts keine verpflichtete Vorgehensweise für Aktenvernichtung vorliegt.

Auch werden nicht überall automatisch die Sicherheitscodes für bestimmte Räume und Zugänge geändert, wenn sich Personalwechsel ergeben. Nicht zuletzt sind unzählige interne und sensible Dokumente nicht als „vertraulich“ gekennzeichnet. Ein deutliches Problem stellt auch die Tatsache dar, dass im Bereich Nuclear Corporate Production Unklarheiten bei der Identifikation von Personen herrscht, die dort für bestimmte Sicherheitsbereiche zuständig sind.